Hannes Wader - Sing - Cover
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Hannes Wader Sing


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Hannes Wader scheint einen Blick auf sich selbst zurückzuwerfen.

Hannes Wader wird nicht jünger. Dass das bei einem althergebrachten Liedermacher durchaus Vorteile haben kann, hat schon Johnny Cash vorgemacht. Ähnlich wie der späte Cash hat Wader nicht mehr wirklich neue Geschichten zu erzählen. Dafür klingt alles noch ein wenig überlegter und einen Tick präziser. Hannes Wader ist nicht nur aufgrund seiner Liebe zu Country-Klängen in einem Satz mit Cash zu nennen, sondern auch, weil der Trotzkopf Wader sich das mit seiner langen Karriere verdient hat. Zusammen mit Altersgenosse Reinhard Mey ist Wader wohl DIE Instanz des deutschen Liedermachens. Wo Mey der schwelgende Wortzauberer ist, war Wader schon immer ein Mann für die direkten Worte. Und auch mit 72 Jahren hat er von seinen Fähigkeiten nichts verlernt.

Wader singt auf dem neuen Album von schweren Zeiten für ihn („So Wie Der“), aber auch die Gesellschaft („Wo Ich Herkomme“) und Deutschland im Speziellen („Alles Nur Schein (Arier)“). Dabei findet der Liedermacher stets einen angenehm direkten Ton, der selbst Country-Feinde von seinen eher schlichten und typischen Melodien ablenkt. Wie Wader auch mit 72 problemlos schnell und intelligent vorgetragene Textstellen allein im Opener „So Wie Der“ präsentiert, ist schlichtweg aller Ehren wert. Doch auch fernab des üblichen Country-Klangs zeigt sich Wader sicher wie eh und je. „Folksinger's Rest“ ist selbsterklärend eine Ode an den Folk und „Lissi Aus Giengen An Der Brenz“ eine an die Freundschaft. Dabei erfindet sich der reife Herr natürlich nicht mehr neu, klingt aber so abgeschlossen und abgeklärt, dass man diesem Werk zu keinem Zeitpunkt Redundanz vorwerfen möchte.

Vielleicht sind „Morgens Am Strand“ und „Sing“ in ihrer zurückhaltend südländischen Art nicht ganz so überzeugend wie das restliche Material, doch der Abwechslung tun diese Stücke dafür gut. Binnen mehr als einer Stunde kommt nie das Gefühl auf, dass man als Hörer lediglich Zeit abzusitzen habe. Es gibt mehr als den Respekt gegenüber Wader, was zum weiteren Zuhören einlädt. Zu schön sind die meisten Geschichten um Liebe („Für Dich“, „Das Kleine Gartentor“), Freundschaft und letztlich die Liebe zur Musik selbst, als dass Hörer sich nicht doch entscheiden würden, einfach mal zu lauschen und sich über einen Vertreter einer ganz großen Liedermacher-Generation zu freuen.

Anspieltipps:

  • So Wie Der
  • Wo Ich Herkomme
  • Lissi Aus Giengen An Der Brenz

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