Frei.Wild - Opposition - Cover
Große Ansicht

Frei.Wild Opposition


  • Label: Rookies & Kings/SPV
  • Laufzeit: 103 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Band, die ihren Steuerberater und ihren Rechtsanwalt namentlich im Booklet aufführt, muss man einfach gernhaben!

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Menge an neuen Songs die Band Frei.Wild ihre Fans in den vergangenen Jahren immer wieder beglückt hat. Egal ob „normale“ Ausgaben oder Deluxe-Editionen, die Südtiroler hauen raus was da ist und die Fans fressen ihnen aus den Händen. Doch wenn wie jetzt mit „Opposition“ ein neues, reguläres Studioalbum ansteht, nachdem es die Band zuletzt unplugged versucht hat („Still“, 11/2013), was selbstverständlich auch als Live-CD ausgewertet wurde („Auf STILLer Fahrt: Die Konzertreise“, 03/2014), wird erst richtig klar, dass „Feinde deiner Feinde“ (10/2012) schon 2½ Jahre zurückliegt. Nicht schlecht und deshalb Anlass genug, um wieder einmal mehr als ein Dutzend neue Songs auf die Hörer einprasseln zu lassen.

Es ist ja kein Geheimnis, dass Frei.Wild seit ihrer Gründung im Jahr 2001 und mit der Auflösung der Böhsen Onkelz im Jahr 2005 eine Art Ersatzposition der Frankfurter Hardrocker eingenommen haben und ähnlich wie die Onkelz in ihrer Anfangszeit einem politisch rechten Milieu zugeordnet wurden. Wie viel davon Wahrheit oder Fiktion und wie viel als Kalkül und Marketingstrategie durchgeht, soll hier nicht diskutiert werden, zumal sich Frei.Wild grundsätzlich von Extremismus aller Art distanzieren und sich eine Band ihre Fans auch nicht aussuchen kann.

Stilistisch sind Frei.Wild jedenfalls auch mit „Opposition“ weiterhin den Onkelz am nächsten. Eingehüllt in einen dicken Sound prallen plakative, von Parolen geprägte Texte, die sich nach ein paar Gerstenkaltschalen prima mitgrölen lassen und Melodien, die auf Anhieb ins Ohr gehen, auf eine gierige Hörerschaft, die Frei.Wild sicher auch für dieses Album abfeiern wird. Schließlich hat Mastermind Philipp Bunger (Musik, Texte, Gesang, Gitarre) das Rezept seiner Erfolgsformel nicht verloren.

Dabei fällt auf, dass die Südtiroler zwischendurch die Härte reduziert und die Tore etwas weiter in Richtung Pop geöffnet haben („Morgen wird alles besser“, „Weil ihr gerne Kriege führt“, „Wie ein schützender Engel“). Doch keine Angst: Hardrock ist noch immer die Bibel der Band, auch wenn sich mal ein paar Trompeten („Hab keine Angst“) und Ska-Klänge („Akzeptierter Faschist“) oder beides („Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein“) einschleichen. Dennoch sollten es die Jungs von Frei.Wild in Zukunft mit soften Schunkelliedern nicht übertreiben.

Die Zeiten von „Use Your Illusion 1+2“ sind eindeutig vorbei und damit in den meisten Fällen auch die Notwendigkeit, 26 Songs (!) auf einen (bzw. zwei) Longplayer zu packen. In neun von zehn Fällen ist die Ausschussquote nämlich zu hoch. So auch hier. Denn große Meisterwerke schießen nicht einfach aus dem Boden. So klingt auf „Opposition“ vieles nach hartem, ehrlichem Handwerk, aber nicht nach Genialität. Doch auch wenn Frei.Wild „nur“ solide bis gute Kost abliefern, sind sie immer noch viel besser als die meisten Deutsch-Rock-Combos, die mit schlechten Produktionen und prolligen Liedern nerven.

So bleibt am Ende als einziger größerer Kritikpunkt die übertriebene Songanzahl, gegen die auch die abgespeckte „Mehr Geld für Bier“-Edition nicht hilft. Denn warum darauf ausgerechnet Top-Titel wie zum Beispiel „Weil ihr gerne Kriege führt“ oder auch „Wie ein schützender Engel“ fehlen, ist auch wieder so ein Ding. Wie man’s macht, ist es eben falsch. Am Ende haben Frei.Wild irgendwie das Beste daraus gemacht.

Anspieltipps:

  • Hab keine Angst
  • Sein oder nicht sein
  • Alles um uns ist still
  • Wir brechen eure Seele
  • Wie ein schützender Engel
  • Weil ihr gerne Kriege führt
  • Wenn die Erinnerung erwacht
  • Nichts kommt schlimmer als erwartet
  • Unvergessen, unvergänglich, lebenslänglich
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Frei.Wild“
comments powered by Disqus