D´Angelo - Black Messiah - Cover
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D´Angelo Black Messiah


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das aus dem Nichts kommt, obwohl D´Angelo seit Jahren daran gearbeitet hat.

Der amerikanische Neo-Soul-, Funk- und R&B-Star Michael Eugene Archer alias D´Angelo (40) hat sich für sein neues Studioalbum „Black Messiah“ mal eben fast 15 Jahre Zeit gelassen und damit gleich mehrere R&B-Generationen im Winterschlaf überlebt sowie diverse Sound-Strömungen hinter sich gelassen, nur um dorthin zurückzukehren, wo er die Welt Anfang der Nullerjahre mit „Voodoo“ (01/2000) bereits geführt hatte - in ein mitunter arg versextes Paralleluniversum, das stilistisch irgendwo zwischen The Roots, Marvin Gaye und Prince angesiedelt ist.

Die Gründe, warum so lange nichts Neues von D´Angelo zu hören war, sind vielfältig, aber keine unbekannten: Drogen, Alkohol, Probleme mit dem Gesetz und der Gesundheit sowie eine klassische Schreibblockade, die die Produktion eines neuen Albums über Jahre hinzog. Doch dann musste alles plötzlich ganz schnell gehen. Die Unruhen in der kleinen US-Stadt Ferguson, in der ein junger, unbewaffneter Schwarzer von einem Polizisten erschossen wurde, versetzten D´Angelo in Alarmbereitschaft. Die Tat geschah im August 2014 und rief viele Bürger der Stadt auf den Plan, die gegen rassistische Polizeigewalt demonstrierten. Als der Polizist per Entscheidung der Grand Jury von einer Straftat freigesprochen wurde, erreichten die Proteste im November 2014 ihren Höhepunkt. In diesem Moment entschied D´Angelo, dass sein Album schnell fertig werden müsse, damit er über seine Musik sein Statement dazu abgeben kann.

In nur zwei Wochen wurden die komplett handgemachten und zusammen mit der Band The Vanguard analog aufgenommenen Songs fertig bearbeitet und wie aus dem Nichts kommend in die Läden gestellt. Dass die Platte noch längst nicht fertig war und alle Beteiligten, darunter The-Roots-Drummer Questlove, etwas improvisieren mussten, hört man „Black Messiah“ allerdings nicht an. Darauf zeigt sich D´Angelo freilich nicht nur von seiner politischen („The charade“) und persönlichen Seite („Ain’t that easy“), sondern natürlich auch als verruchter Sex-Gott, der weiß, wie er es den Ladies besorgen kann. Doch auch hier vermeidet er weitgehend musikalische Plattitüden à la R. Kelly und gerät höchstens inhaltlich aufs Glatteis, wenn es etwas zu schlüpfrig wird („Sugah daddy“).

Musikalisch ist das Ganze durchaus sperrig und auf kreativer Seite sicherlich auch von der plötzlichen Eile befeuert, die plötzlich in den Produktionsprozess eingezogen war. So erscheint ein Titel wie „1000 deaths“ im ersten Moment wie eine etwas fahrige Jazz-Rock-Skizze und „The charade“ wie ein Erbstück aus den Beständen von Prince. Und dennoch versprühen die Stücke einen ungewöhnlichen Charme, der von dezenten Funk-Einflüssen („Sugah daddy“) und einer latenten Live-Atmosphäre getragen wird („Back to the future part 1“). Dagegen tut sich das Gros der Songs mit der Eingängigkeit sehr schwer, was dem Jam-Charakter von Tracks wie „Prayer“ geschuldet ist, die ziellos vor sich hin pumpen und nicht auf den Punkt kommen.

Fazit: Wenn der positive Kick der Guerilla-Veröffentlichungstaktik nachgelassen und das Album einige Durchgänge hinter sich hat, macht sich ein wenig Ernüchterung breit. Denn der warme Analog-Sound und die Jazz-Funk-Gerüste sind zwar durchaus reizvoll, doch bleibt davon nur wenig im Gedächtnis hängen. Somit kann „Black Messiah“ auf Dauer nur über die Atmosphäre punkten, was dem einen oder anderen Hörer nach 15 Jahren Wartezeit zu wenig sein könnte.

Anspieltipps:

  • The charade
  • Ain’t that easy
  • Betray my heart
  • Till it’s done (tutu)
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