Viet Cong - Viet Cong - Cover
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Viet Cong Viet Cong


  • Label: Jagjaguwar/CARGO
  • Laufzeit: 37 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Viel Lärm um nichts. Wenn die Kunst in Art-Rock nicht richtig zünden möchte...

Mit Krieg hat das Album nichts am Hut. Vielleicht soll die Musik ähnlich verstörend wirken. Es könnte aber auch einfach sein, dass die Band den Klang des Namens mag. Das Ergebnis ist ein hallendes Rock-Abenteuer, welches sich vor 10 Jahren zur Speerspitze des neuen Jahrtausends hätte zählen dürfen. Damit ist eher weniger die überragende Qualität, als vielmehr der progressive und technische Ansatz des Albums gemeint. Mit PC-Percussions und Effekten wird nur so um sich geschleudert, als hätten Radiohead gerade eben erst „Kid A“ veröffentlicht. Daraus wurden sich die Elemente gepflückt, die im Verbund mit den treibenden Percussions und 90er-Jahre-Brit-Rock gemischt werden. Fertig ist ein für manche ambitioniertes, für andere schlichtweg halbgares Album.

Diese Beschreibung lässt Hoffnung für Viet Cong aufkommen, doch so eine Scheibe wäre eben vor einer Dekade um einiges beeindruckender gewesen. Nun altert manche Musik bekanntlich besser als so manch anderes Medium, doch Viet Cong sind schlichtweg noch so eine von diesen ganzen Bands, die sich in den Metropolen dieser Welt ausgetobt haben. Der kühle elektronische Anklang dieser Musik besitzt keine eigene Stimme, was insbesondere während der längeren, repetitiv minimalistischen Abschnitte in „March Of Progress“ und auch „Death“ offensichtlich wird. Durchaus können Hörer versuchen, sich in sphärische Launen zu begeben, doch durch die fehlende Nuancierung erscheinen viele dieser Teile für eine Album-Version zu lang. Live darf die Stimmung durch das Hinauszögern der verschiedenen Bausteine dieser Musik gerne eingesetzt werden, doch auf „Viet Cong“ wartet man als Hörer früher oder später ungeduldig auf den nächsten melodischen Twist der Band.

Genau hier ist die Krux des Albums, da die leichter zugänglichen Momente für die größten Freuden sorgen. Die zweite Hälfte des zu Beginn hohl ratternden „March Of Progress“ macht vor, wie zwei potenzielle Songs durch kurzes Umschwenken und feine, aber knackige Effekthascherei verbunden werden können. Das ist Progressive Rock, der auch heute noch begeistert. Viet Cong stellen sich bei der Erstellung solch starker Musik allerdings immer wieder selbst ein Bein. Ein von vorne bis hinten konsequentes „Bunker Buster“ bildet die Ausnahme auf einem oft zu gewollt klingenden Output.

Doch mit laufender Spielzeit stellt sich heraus, dass die fehlgeschlagenen Experimente in „Newspaper Spoons“, „Pointless Experience“ und der ersten Hälfte von „March Of Progress“ mit der zweiten Hälfte ausgeglichen werden sollen. Das sehr konventionelle „Continental Shelf“ ist eine nicht wirklich vom hallenden Gesang und Klang der Instrumente profitierende Ballade, die allerdings zumindest eine klare Linie verfolgt. Der Held des Albums erklingt jedoch in Gestalt von „Silhouettes“. Mit der Konsequenz von „Bunker Buster“ und den starken Melodien eines „March Of Progress“ fabriziert die Band hier einen frenetischen Rocksong, der Psychedelic, Progressive und melodischen Rock in feinster Manier zusammenbringt.

Und so lässt sich das Album letztlich allein mit „Death“ zusammenfassen. Viele gute Ideen werden oft ohne große Not zusammengeworfen, um am Ende möglichst interessant zu wirken. Dieser Schuss geht jedoch nach hinten los, da ähnlich wie bei manchen jüngeren Werken von And You Will Know Us By The Trail Of Dead die Melodien zu gekünstelt und damit anscheinend ohne jeglichen Mehrwert zusammen getackert werden. Ohne die zu ausgeprägte Liebe zu den sich wiederholenden Drums und mit ein bisschen weniger gekünstelter Avantgarde hätte allein der Abschluss des Albums ganz großes (Hör-)Kino werden können. So ist „Viet Cong“ ein Werk mit viel Potenzial geworden, das jedoch an allen Ecken und Enden immer wieder die falschen Schlüsse zu ziehen scheint. Auch wenn eine Band wie Viet Cong es ungern hören und lesen wird, besteht die Hauptaufgabe nun darin, all die Kreativität einzudämmen und zu kanalisieren. Darin liegt schließlich die große Kunst.

Anspieltipps:

  • Silhouettes
  • Bunker Buster
  • Death
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