Andrew Combs - All These Dreams - Cover
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Andrew Combs All These Dreams


  • Label: Loose Music/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Musik, die beim Bügeln nicht stört.

Man hat ein schlechtes Gewissen, denn eigentlich ist Andrew Combs ein super Typ. Mit seinen folkigen Popsongs (Combs wohnt aktuell in Nashville) beweist er durchaus seine Liebe zur Countrymusik. Auch zwischen verschiedensten Stimmungen versucht er tapfer zu wechseln, damit bloß keine Langeweile beim Hörer aufkommt. Wie gesagt, ein super Typ.

Bei aller Hingabe und Begeisterung, die man dem 28-Jährigen durchaus abzunehmen bereit ist, fehlt „All These Dreams“ jedoch vor allem eines: Songwriterische Finesse. Ein fröhliches Pfeifen macht noch keinen fröhlichen Song („Strange Bird“), ein bisschen Up-Tempo-Schlagzeug macht aus „Foolin’“ noch keinen brauchbaren Up-Tempo-Track. Zu oft plätschern die Lieder ohne wirkliche Highlights vor sich hin.

Es sind sicher nicht die Ohrwurm-Refrains, die als Qualitätsmerkmal für ein Country-Pop-Album herhalten müssen. Vielmehr ist gerade das Country-/Folkgenre von der emotionalen Tiefe seiner Songs abhängig, Authentizität ist das A und O für eine hochwertige Platte aus diesem Bereich. Es ist genau dieser Tiefgang, den Combs zu keinem Zeitpunkt des Albums erreicht. So sehr er sich auch müht, emotionale Songs zu liefern, so richtig überspringen will der Funke bis zum Schlusstrack nicht ein einziges Mal. Bitter ist das vor allem deshalb, weil Combs durchaus das passende Handwerkszeug parat hat. Eine fast nur vom Klavier getragene Ballade wie „In The Name Of You“ ist geradezu prädestiniert für wunderbare Gänsehaut-Momente. Und irgendwie kommt man nicht umhin, sich zu wundern, wie der Künstler es in diesem Fall geschafft hat, derart belanglos zu klingen.

Man hat ein schlechtes Gewissen. Lieblos hingeschustert ist „All These Dreams“ keineswegs, die Liebe zur Musik ist Combs jederzeit anzumerken. Dass es dabei zu keinem Zeitpunkt zu einem brauchbaren Country-Album reicht, ist vor diesem Hintergrund fast schon wieder tragisch. Trotzdem: Ein super Typ.

Anspieltipps:

  • All These Dreams
  • Pearl
  • In The Name Of You

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