Callisto - Secret Youth - Cover
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Callisto Secret Youth


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ambitionierter Metal, der aber durch viel zu viel Routine ein wenig auf der Strecke bleibt.

Finnland hat wirklich viele heiße Eisen im Feuer und wenn man eines nochmal gesondert sieht, wird es sich um etwas Großes handeln. Callisto sind so ein ganz besonders heißes Eisen, von Kritikern und Fans einhellig geliebt, gelobt, verehrt. Den Post Metal als kreatives Vehikel haben Callisto schon früh für sich entdeckt und ihren Sound, der anfangs noch stark von Neurosis oder Breach beeinflusst war, weiterentwickelt und nach einer eigenen Identität gesucht. Mit „Providence“ (2009) war der Höhepunkt erreicht. Die eher ruhige, sphärische, atmosphärische Gangart wird nach fast sechs Jahren Pause auch auf dem vierten Longplayer „Secret Youth“ fortgesetzt. Selbst beschreiben die Finnen ihre Musik als Progressive Noise Rock - doch Namen sind wie so oft Schall und Rauch.

So richtig noisy will es bis auf einige explizite Ausnahmen dann auch nicht werden. Stattdessen setzt man auf eine durchaus gelungene Symbiose aus Eingängigkeit und Komplexität: Anathema lassen grüßen, wobei natürlich auch das Who is who des Post Metals Pate stehen kann, sich der Sound Callistos eine Nische findet und die Dinge weder revolutionär anders noch irgendwie schlecht macht. Wie schon auf „Providence“ geraten die metallischen Elemente in den Hintergrund, verschwinden jedoch nie ganz und warten dann und wann darauf, als gewaltige Eruption den einzelnen Kompositionen von „Secret Youth“ eine neue Richtung zu zeigen. Mit den spärlich eingesetzten Growls verhält es sich ähnlich und es ist abermals schön, dass Callisto sie wirklich geschickt platzieren und nicht inflationär benutzen - gerade so entsteht eine Wirkung! Der Höhepunkt ist das mit knapp zwei Minuten leider viel zu kurz geratene „Old Souls“, welches Growls mit intim anmutenden Elektro-, Noise- und Ambient-Sounds kombiniert. Dann entsteht ein Aha-Effekt, der sich auf dem grundsoliden „Secret Youth“ leider wirklich rarmacht.

Und genau das ist es: grundsolide. Da gibt es wirklich starke Nummern wie „Backbone“, „Lost Prayer“ oder das fantastische „Dam's Lair Road“, aber auch viel Material, welches ziemlich generisch geraten ist und einfach so vor sich her plätschert. Wer ein wenig im Post- und auch im Prog-Metal herum gekommen ist, wird sicher nicht vom Hocker gerissen und ohne Mühe das vierte Werk der Finnen erfassen können. Das ist für ein Genre, welches als eines der wenigen im Metal noch Ketten sprengen kann, am Ende doch ein bisschen wenig. Das heißt allerdings auch nicht, dass „Secret Youth“ keine Anhänger finden wird. Fans des Genres bekommen einen leckeren Snack und haben ihre Freude. Der große Wurf ist Callisto mit „Secret Youth“ nicht gelungen, die Vorschusslorbeeren, zu welchen sich Kritiker und Fans im Vorfeld haben hinreißen lassen, bleiben solche und stehen im Schatten eines Werks, welches viel richtig, wenig falsch, aber fast alles routiniert macht.

Anspieltipps:

  • Backbone
  • Lost Prayer
  • Old Souls
  • Dam's Lair Road

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