Jessica Pratt - On Your Own Love Again - Cover
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Jessica Pratt On Your Own Love Again


  • Label: Drag City/Rough Trade
  • Laufzeit: 32 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Intensive, unvorhersehbare Folk-Songs für Herz und Hirn.

Die amerikanische Singer/Songwriterin Jessica Pratt ist noch weitestgehend unbekannt. Sie lebt in Los Angeles, aber die kalifornischen Klischees bedient sie nicht. Wobei der Laurel Canyon-Sound der 60er- und 70er-Jahre in ihren Songs ein wenig mitschwingt. Mit ihrem Debüt „Jessica Pratt“ hat sie es zumindest geschafft, die Aufmerksamkeit der richtigen Leute auf sich zu ziehen, denn der Nachfolger „On Your Own Love Again“ erscheint nun auf dem renommierten Label Drag City, womit sie Kollegin von Joanna Newsom wäre, der sie in einigen Belangen nicht unähnlich ist.

Durch ihre Mutter lernte sie Künstler wie Tim Buckley, X und The Gun Club kennen und im Alter von 15 Jahren begann sie mit dem Gitarre spielen. Anhand des T.Rex-Klassikers „Electric Warrior“ lernte sie elektrische Gitarre und schon bald konnte sie die ganze Platte nachspielen. Als sie nach San Francisco zog, begegnete sie Tim Presley aka White Fence, der von ihren Demo-Songs sehr angetan war. Auf Presleys Label Birth erschien schließlich im Jahr 2012 ihr schlichtes Debütalbum, das ganz die Stimme und die Akustikgitarre ins Zentrum des Geschehens stellte. Die einschlägigen Medien zeigten sich begeistert, es hagelte Vergleiche mit Joni Mitchell, Joan Baez, Sibylle Baier und Karen Dalton - wobei sich Pratt selbst nicht im Genre Folk oder Freak-Folk sieht.

Ob sie mit Weird- oder Art-Folk einverstanden wäre? Sie wirklich zu klassifizieren, fällt in der Tat schwer. Am sinnvollsten scheint es, ihr eine Seelenverwandtschaft mit Joanna Newsom zuzuschreiben. Die Art des Songwritings und die Arrangements sind gemeinsamer Natur, wobei Jessica Pratt wesentlich reduzierter zu Werke schreitet. Gegenüber ihrem Debüt hat sie jedoch die Arrangements ein wenig erweitert. Manchmal zaubert auf „On Your Own Love Again“ eine Flöte geheimnisvolle Ellipsen oder sie leuchtet das Dickicht und die verschlungenen Folk-Pfade aus. Die oftmals in Moll-Tönen gezupfte Akustikgitarre klingt introvertiert, zeigt ihre Schönheit erst nach und nach, sie malt die ebenso mystischen wie versponnenen Lyrics förmlich aus.

Nicht zuletzt ist es Pratts Stimme, die den Zuhörer betört. Dieses anmutige Vibrato, die wunderschönen Tremolos, die diese unvorhersehbaren Melodien nachzeichnen oder mit anderen Klangfarben ausmalen, sprechen sowohl Hirn als auch Herz an. Etwas im positivsten Sinne Naives und Liebliches zeichnet ihre Stimme zusätzlich aus. Sie wird manchmal zum Gegenpol des dunkel anmutenden Gitarrenspiels und bringt so jene Laurel Canyon-Farben der 60-/70er-Jahre zum Vorschein.

Jessica Pratts zweite Langspielplatte dürfte für Menschen, die Joanna Newsom, Tim Buckley, Sibylle Baier oder Sylvie Simmons favorisieren, ein Leckerbissen sein. Auch diese Künstler lassen sich nicht in gewöhnliche Schubladen stecken und zeichnen sich durch Eigenständigkeit und eine gewisse Verschrobenheit aus. „On Your Own Love Again“ ist ein starkes Album, das nahezu alle Sinne anspricht.

Anspieltipps:

  • Wrong Hand
  • Strange Melody
  • Greycedes
  • Jacquelyn In The Background
  • On Your Own Love Again

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