Team Me - Blind As Night - Cover
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Team Me Blind As Night


  • Label: Propeller Recordings
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Hätte, wäre, könnte: Die Konjunktive lassen bei „Blinded As Night“ vom großen Wurf träumen, auch wenn sich Team Me noch nicht zur Genüge dazu trauen.

Bereit für eine Zeitreise in die weniger fröhlichen Jahre der jüngeren deutschen Geschichte? Natürlich kann von nichts anderem als dem karrierebezogenen Fade-Out der Band Polarkreis 18 die Rede sein. Mit ihren ersten zwei Alben haben sie den vielleicht besten und ganz bestimmt interessantesten Pop des Landes gemacht. Endlich musste Deutschland sich nicht vor Großbritannien und Skandinavien verneigen. Doch das Hoch der Band hielt nicht ewig und die Rache für den hohen Norden scheint umso süßer. Einen Song, nur einen einzigen Song braucht das norwegische Sextett Team Me, um den Indie-Pop scheinbar mühelos an seine künstlerische Spitze zu führen. Doch wie es so schön heißt: Wer zuletzt lacht...

Besagter Titel „Riding My Bicycle“ ist ein achtminütiges Monster von einem Track, der Progressive, Art und Großleinwand-Pop vereint. Es ist einer dieser Titel, die trotz ihrer Überlänge keinen einzigen Moment verschenken. Der Song kann sich problemlos mit Titeln wie Yes' „Roundabout“ nennen lassen und muss nicht als weichgespült gelten. Von den groß angelegten Streichern über die effektiven Kinderchöre wissen Team Me genau, wie sie die Ingredienzien ihres Titels zu verbinden haben. Natürlich gibt es Meckerfritzen, die behaupten werden, dass ein guter Pop-Song doch gar nicht so lang sein dürfe. Diese Leute gilt es jedoch auch nicht zu überzeugen. Wer gute Pop-Musik macht und nicht unter Aufmerksamkeitsstörungen leidet, wird einem Track wie „Riding My Bicycle“ schlichtweg und ohne Murren Tribut zollen.

Es ist aber nicht nur die durch diesen Titel geschürte Erwartungshaltung, sondern auch die scheinbar aufgezwungene Restriktion im Anschluss, die das Album im guten Mittelfeld enden lässt. Gleich mit „Kick & Curse“ wird das Kunstvolle weggestrichen und was bleibt sind catchy, aber letztlich auch recht generische Pop-Rock-Songs. Und schon sind wir am Hauptproblem angekommen, welches schon das bisher letzte Polarkreis-Album begleitete. Schließlich ist „Frei“ keine Katastrophe und kann ab und an sogar richtig Spaß machen, doch neben einem guten Flow und kraftvollen Arrangements bleibt eben nicht viel übrig.

Auch „Blind As Night“ tappt in diese Falle. Team Me wissen ganz genau, wie Pop-Musik groß klingen muss, und streuen im Prinzip interessante Elemente ein. Die Ergebnisse sind jedoch derart glatt gebügelt, dass statt einprägsamer Hymnen nur ein nett klingender Sturm an den Hörern vorbeizieht. Die Musik ist für Ohrwürmer zu überladen und nutzt das Potenzial jedoch zuliebe der höheren Eingängigkeit nicht. Es ist ein Paradox, wenn sich beispielsweise „F Is For Faker“ selbst Vorlagen zu Eigenständigkeit gibt und diese dann bewusst nicht nutzt und uns mit austauschbaren Stadionklängen versöhnen will. Es wirkt beinahe so, als würde die Band ihre wahre Natur krampfhaft unterdrücken, die nur viel zu selten neben dem Opener in „Man-Eating Machine“ und „Are You Still In Love“ noch ansatzweise genutzt wird.

Am Ende scheinen wir uns mit Feuerzeug in der Hand an „Le Sound“ und „Did We Lose Something Here“ erinnern zu sollen, doch die Wahrheit ist, dass diese Lieder nicht genug Eigendynamik vorweisen können. Vergleichsweise zünden auch „Evergreen“ und „Sleep Rocket“ von Polarkreis 18, aber eben auch nur, wenn sie gehört werden. Diese Lieder bleiben nicht länger im Kopf und verschwinden zugunsten großer Hymnen. Und so hätte Team Me mit diesem Album etwas wohl viel Größeres gelingen können. Nur leider fühlt sich die Band aus Norwegen den einfachen Strukturen derartig verpflichtet, dass das Nachmittagsfernsehen ihr Material ausführlicher untersuchen wird, als Musik-Liebhaber es tun werden.

Anspieltipps:

  • Riding My Bicycle (From Feddersensgate 5A to Mollervegen 31)
  • Le Sound
  • Man-Eating Machine

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