F.R.E.I. - Showtime - Cover
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F.R.E.I. Showtime


  • Label: Liberatio Music
  • Laufzeit: 50 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischen Pur, DJ Bobo und Unheilig müsste auch noch ein Plätzchen für F.R.E.I. vorhanden sein.

Vor gut zwei Jahren bewies die Band F.R.E.I. um Frontmann Daniel Wagner auf ihrem Debütalbum „Grenzenlos“ (02/2013), wie deutscher Schlager eindeutig NICHT funktioniert. Aufgrund akuter Lähmungserscheinungen, ausgelöst durch Titel wie „Halt doch einfach mal die Luft an“, „Raues Herz“ oder auch „Ich geh durch die Hölle für dich“, sah sich der Rezensent nicht in der Lage, das merkwürdige musikalische Treiben des von Christoph Siemons produzierten Quartetts näher zu beschreiben. Doch jetzt sind Daniel Wagner, Olli Singer, S.C. Kuscherus und Dominic Paraskevopoulos wieder zurück. Eine zweite Chance für den F.R.E.I. und den Rezensenten. Danke, danke, danke!

Nach Tourneen im Vorprogramm von Unheilig und Pur, haben in den vergangenen Jahren mehr als 300.000 Menschen F.R.E.I. live erleben dürfen. Vielleicht hat die Band dabei die gleichen albernen Klamotten getragen wie auf dem Cover zu „Showtime“, dem Zweitwerk der, ähem, Schlager-Rocker. Doch bald ist Karneval und sich mehrgleisig aufzustellen, kann ja nicht schaden, wie es Brings und zuletzt Cat Ballou mit Nachdruck bewiesen haben. Aber wir schweifen ab. Schließlich soll es hier um die 15 Tracks auf „Showtime“ gehen. Und die haben es in sich!

Schon zu Beginn schleicht sich das Gefühl einer bollerigen Matsch-Produktion auf MP3-Niveau ohne echte Höhen und Tiefen ein, die sich erst bei „Unbesiegt“ transparenter präsentiert, wenn F.R.E.I. auf ihr Schlager-Bumbum verzichten, mit dem sie selbst Fans der beiden Kult-DJs, Bobo und Ötzi, in die Flucht schlagen können. Später, bei Tracks wie „Sonne“ kehrt die Matsche allerdings wieder zurück. Da ist eine pathostriefende Ballade wie „Unbesiegt“ schon besser und konsequenter. Doch das Glück hält nicht lange. Schon mit „Freunde sein“ werden die Schlager-Schleusen wieder geöffnet und lyrisches Ödland verbreitet: „Wir sind hier und wie sind frei. We are the Champions. Mitten drin statt nur dabei. Wir feiern den Moment. Das Wunder unserer geilen Zeit und wissen das geht nie vorbei“.

Im Mittelteil werden u.a. mit „Tief in die dir“, „1000 Grad“ und „Die schönste Droge“ ein paar Tracks platziert, die als solides Füllmaterial durchgehen, mit dem der Hörer allerdings emotional nicht sonderlich berührt werden kann. Diese Songs zeigen jedoch, dass F.R.E.I. ihre Form des Schlagers offensiv mit Elementen aus Pop, Rock und Dance kombinieren und damit zumindest einen kleinen Entwicklungsschritt gemacht haben. In Gänze zeigt „Showtime“ aber auch, warum eine Helene Fischer so erfolgreich ist und F.R.E.I. nicht: Charme und Authentizität gehen den Kölnern nämlich weiterhin ab. Und zwar ganz besonders dann, wenn sie ihre Kollegen von Pur („Freunde sein“) und Unheilig imitieren („Unter Strom“) oder einen „Eye of the tiger“-Abklatsch abliefern („Explodiert“).

Anspieltipps:

  • Sonne
  • Unbesiegt
  • 1000 Grad
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