Bahar Kizil - Bullets Of Love - Cover
Große Ansicht

Bahar Kizil Bullets Of Love


  • Label: Membran/Sony Music
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
3.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Von der süßen Bahar zum Bahar-Vamp und am Ende genauso blutleer.

Lang lang ist's her, seit uns Monrose als eine der erfolgreichsten Retorten-Bands Deutschlands mit Hits wie „Shame“ oder „Even Heaven Cries“ beglückten. Wie so viele ähnliche Acts mussten dann auch Monrose irgendwann das Zeitliche segnen - im Vergleich zu anderen Acts kann das Trio allerdings mit Prädikaten wie „schon schade“ oder „och, das ist mir egal“ regelrecht geadelt werden, denn letzten Endes tat die Girlgroup keinem weh. Stellt man ihr Gruppen des Schlages Overground, Bro´Sis oder Nu Pagadi gegenüber, weiß man, wem man die ewigen Qualen im tiefsten Loch der Pop-Hölle gönnt und wem nicht. Oder anders und einfacher ausgedrückt: Seitdem TV-Programm und Plattenregale von Casting Shows gepeinigt werden, wurde uns einiges zugemutet und mit Monrose konnte man sich zumindest, nun, „arrangieren“.

Nun ein Schlenker zur griechischen Mythologie, einfach weil Bahar gleich zwei Mal einen Track namens „Medusa“ auf ihrem Debüt „Bullets Of Love“ hat. Wird der Hydra ein Kopf abgeschlagen, wachsen zwei nach. Genau so verhält es sich auch mit Monrose. Mon-Mutti Senna machte Lieder mit KKS und nahm bei Trash-TV-Projekten teil, die putzige Mon-Mandy ist als Lilli an der Seite von Tabaluga oder darf/kann/soll/muss sich als DSDS-Hampelfrau Frechheiten dummer Gören antun („Weißte, ich hab' Schule, ich hab' mein Abitur, ich geh' studieren und du bist nur 'ne F****.“) und nach etlichen Singles ist nun endlich auch Mon-Bahar dran. Vom goldigen Mädel zum Knuddeln ließ man sie zum Maneater mutieren - die Entscheidungen wie überdimensionierte Bullenringe in der Nase (Video zu „Drank“) oder Coverartworks mit nackten Unterleibern und zusammengeknüllten Shirts, die wie Pullermänner in der Hand gehalten werden, bewegen sich allerdings auf einem schwankenden Drahtseil, welches über „Sex sells“ und unendlicher Peinlichkeit gespannt wurde. Nun gut, nach dem Cover kauft die Zielgruppe ja sowieso nicht und am Ende ist es natürlich die Musik, die zählt. Letztere können auch Menschen, die bislang noch nichts von Bahar solo hören durften, natürlich als komplett anders als die ihrer damaligen Band erahnen.

Und so ist es. Bahar macht einen auf Soul, Contemporary R'n'B und immer wieder findet ein wenig HipHop seinen Platz auf „Bullets Of Love“. Die Vorliebe für solche Musik möchte man dem Fräulein Kızıl auch gerne abkaufen, wobei das Schund-o-Meter im Hintergrund natürlich durchgängig kurz davor ist zu platzen. Auf einen Satz heruntergebrochen ist „Bullets Of Love“ folgendes: Monrose war Trash, der keinem weh tat, Bahars Solo-Debüt ist Trash, der - sofern man ihn allzu ernst nimmt, zumindest in Ansätzen verärgert. Sofern die ehemaligen Hörer von Monrose nicht inzwischen alt genug sind, um sich einen echten Musikgeschmack gebildet zu haben, werden sie eventuell von „Bullets Of Love“ angesprochen. Eventuell! Man muss schon ein recht betuchter Clubgänger sein, um sich genug Shots leisten zu können, die Bahars doch recht banale Songs einigermaßen ertragbar machen. Wobei: Höchstwahrscheinlich sind sie dann sogar ertragbar. Ein „Medusa“ pumpt zumindest ordentlich, das von Autotune verunstaltete, aber dennoch mit Guilty-Pleasure-Charme versehene „Drank“ wartet mit einem Feature der witzigen SpaceBoyz auf und harmlose Popper der Marke „Teen Crush (Chillin')“, „Waterfall“ und „Placebo“ sind tatsächlich gar nicht mal so übel, was „Bullets Of Love“ einen Rettungsring zuwirft und vor der musikalischen Selbstverschandlung gerade so bewahrt.

So was kann die liebe Bahar eben und es steht ihr um Welten besser als Bumsbeats, anspruchsloseste Club-Sounds und alles, was mit dem angesprochenen Autotune beginnt und mit abgedroschenen orientalischen Samples endet. Da möchte man sich doch glatt selbst korrigieren: Findet das Bahar wirklich selbst sooo toll? Kann sie ihre eigentlich ganz gute Stimme so überhaupt fordern? Wahrscheinlich weniger und am Ende steht wie so oft das Hätte, Würde, Könnte. Hätte Bahar einen anderen Weg eingeschlagen, würde sie jetzt wahrscheinlich Musik machen, die nicht an anspruchslose Dullis gerichtet ist und könnte so den Unterschied zwischen bloßer Interpretin und Vollblutmusikerin machen. Natürlich ist all das rein hypothetisch und was bleibt, ist eben „Bullets Of Love“. Bahar veröffentlicht ein Debüt, das in seinen besten Momenten immerhin ansatzweise angenehm zu hören ist, zu großen Teilen jedoch Musik bietet, welche mit dem Holzhammer unangenehm trendorientiert zuschlägt und viel zu oft viel zu doof anmutet. Da hilft am Ende auch die eigentlich grundsympathische und gesanglich begabte Protagonistin nur herzlich wenig. Das letzte Drittel von Monrose kann auch nicht den kleinen, aber feinen Unterschied machen. Doch mal im Ernst: Hätte das irgendwer da draußen wirklich geglaubt?

Anspieltipps:

  • Teen Crush (Chillin')
  • Waterfall

Neue Kritiken im Genre „Pop“
6/10

Little Dark Age
  • 2018    
Diskutiere über „Bahar Kizil“
comments powered by Disqus