Kodaline - Coming Up For Air - Cover
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Kodaline Coming Up For Air


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 65 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wir dürfen vorstellen: Die legitimen Nachfolger von Coldplay!

Warum das Phänomen Kodaline am deutschen Musikmarkt bis jetzt weitgehend geräuschlos vorbeigegangen ist, während der Rest der Welt das Quartett schon für sich entdeckt hat, ist unerklärlich. Denn die aus Dublin, Irland, stammende Band besitzt die Gabe, Songs zu schreiben, die aufgrund ihrer atmosphärischen Melodien und einer prägnanten Eingängigkeit fast durch die Bank als Singles taugen und deshalb gerne in TV-Serien (u.a. „Grey’s Anatomy“) und Filmen (z.B. „Fack ju Göhte“) verwendet werden, wo sie beim Zuseher das Kopfkino anwerfen. So verkaufte sich das Debütalbum der Iren, „In A Perfect World” (06/2013), aus dem Stand mehr als 350.000 Mal und verbreitete damit ein kollektives Déjà-vu-Erlebnis.

Der Kodaline-Sound erinnert nämlich ganz frappierend an eine Mischung aus U2, The Killers, Muse und allen voran Coldplay. Sprich: Hier wird eine Form von Popmusik dargeboten, die den Begriff Pathos großschreibt und sich darüber hinaus einen Hauch Elektronik und ab und zu mal ein paar E-Gitarren gönnt. Dieses Rezept funktionierte auf „In A Perfect World” in der Summe bereits mehr als ordentlich. Doch auf ihrem Zweitwerk „Coming Up For Air“ haben sich Steve Garrigan (Gesang, Gitarre), Vinny May (Drums), Jason Boland (Bass) und Mark Prendergast (Gitarre) selbst übertroffen.

Mit den Produzenten Jacknife Lee (Bloc Party, Snow Patrol, Editors, R.E.M.), Jim Eliot (Dido, Ellie Goulding, Girls Aloud, Kylie Minogue) und Stephen Harris (Miles Kane, Kula Shaker, The Wombats, Ben Kweller) haben Kodaline 15 Songs eingespielt, die dem Hörer den Glauben an die Popmusik wiedergeben. Vorausgesetzt, es gibt eine Affinität für große, stadiontaugliche Hymnen („Honest“, „Ready“) und herrlich pathetische Balladen („The one“, „Autopilot“), die auch Coldplay in dieser Konsequenz nicht besser hinbekommen würden. Dabei entwickeln sich aus unscheinbaren Strukturen großartige Melodien, für die Kodaline alle Register ziehen und zum Beispiel einen Kinderchor einbauen („Unclear“) oder auf die Dramatik im Stile von Muse bauen („Lost“).

Dazu gesellen sich mitreißende Pop/Rock-Nummern („Coming alive“), Elektro-Rock („Human again“, „Play the game“) und mit Streichern („Better“) und Gospel-Chören („Everything works out in the end“) aufgebrezelte Akustik-Kleinode, ohne dass sich auch nur ein einziger Ausfall einschleicht. Damit ist „Coming Up For Air“ mehr als nur ein Geheimtipp. Es ist ein Longplayer, der die zurzeit schwächelnden Coldplay in Bedrängnis bringen könnte, weil nun erstmals eine Band aufgetaucht ist, die es mit den Mannen um Chris Martin in Sachen Pathos und Melodietrunkenheit aufnehmen kann. Und dann wird vielleicht auch das deutsche Publikum bemerken, was bisher an ihm vorbeigegangen ist.

Anspieltipps:

• Lost
• Better
• Honest
• Unclear
• Autopilot
• Moving on

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