Steve Earle - Terraplane - Cover
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Steve Earle Terraplane


  • Label: New West Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Scheiße, schon wieder eine Frau weggelaufen. Die siebte! Da muss Mann doch den Blues bekommen!

Steve Earle (60) hat den Blues, weil das Leben mal wieder scheiße läuft. Seine Ehe mit der Singer/Songwriterin Allison Moorer wurde im vergangenen Jahr geschieden. Es war tatsächlich schon die siebte Scheidung im Leben des Americana-Troubadours. Der Spaß geht bestimmt ganz schön in die Kohle. Und aufs Gemüt. Deshalb muss der Ärger erst mal raus. Also schnappt sich Steve Earle seine Band The Dukes und macht auf seinem 16. Studioalbum kurzen Prozess. Elf Songs in 35 Minuten, alle knietief im Country und Blues steckend. Das Ergebnis wirkt nicht unbedingt Wunder, dürfte aber die beste Selbsttherapie sein, die der Sänger und Songschreiber anwenden kann. Mit den Drogen ist Earle schließlich durch.

Stilecht eröffnet Steve Earle auf der Harfe blasend das „Terraplane“ (so heißt das auf dem Cover abgebildete Automodell) getaufte Album und röhrt von seinem verlorenen Baby. Und damit der Sachverhalt besonders deutlich wird, heißt der Song natürlich äußerst eindringlich „Baby baby baby (baby)“. Soll ruhig jeder wissen, was die Stunde geschlagen hat. Denn auch „You’re the best lover that I ever had“ beschwört Earles Baby. Dazu muss nicht allzu sehr um die Ecke gedacht werden.

Düster wird es in „The Tennessee kid“, das am Anfang an den Doors-Klassiker „The end“ erinnert, bevor sich eine stampfende Blues-Lokomotive in Bewegung setzt und Steve Earle den rezitierenden Voodoo-Priester gibt. Eine Ecke fröhlicher, irgendwie beschwipst klingt „Ain’t nobody’s daddy now“. Darin spielen wieder Frauen eine Rolle („Used to have a woman, worry me to death, hand was in my pocket and her foot was on my neck. Got a baby on the eastside, a honey on the west, but the downtown gals are the best”). Alter Schwerenöter!

Auf diese Weise gestaltet sich das gesamte Album als eine einzige Bewältigung von Steve Earles Seelenschmerz. Er jammert in „Better off alone“ und lässt dazu seine Gitarre aufheulen, er stellt seiner Geliebten nach („The usual time“) und gibt sich dem Fernweh hin („Acquainted with the wind“). All das sind Geschichten, die der Blues schreibt, den sich Steve Earle auf diesem Album aus der geschundenen Seele strampeln muss.

Anspieltipps:

  • The usual time
  • King of the blues
  • The Tennessee kid
  • Go go boots are back
  • Baby baby baby (baby)
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