Scorpions - Return To Forever - Cover
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Scorpions Return To Forever


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 62 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwei typische Scorps-Megaballaden und die Bonus-Tracks der Deluxe Edition retten dieses Album vor der Katastrophe.

Wie jetzt, Leute?! Ihr seid immer noch da? Ihr wolltet doch längst im Ruhestand sein. Eine letzte Tour noch, hattet ihr zum „Sting In The Tail“-Album (03/2010) verkündet und dann sei Schluss. Seitdem sind inzwischen fast fünf Jahre vergangen und ihr rockt munter weiter die Welt und dürft jetzt sogar euer 50. Bühnenjubiläum feiern. Und zwar mit einem brandneuen Studioalbum, einem Kinofilm und einer weiteren Welttournee, die schon jetzt mehr als 40 Auftritte beinhaltet. Das ist scheinbar Hannoveraner Humor. Sturmfest und erdverwachsen. Nun denn, ihr seid mir ja ein paar Schlingel!

Es ist kein Witz. Sie haben es tatsächlich noch einmal getan. Klaus Meine, Rudolf Schenker, Matthias Jabs, Pawel Maciwoda und James Kottak haben sich zusammen mit Mikael Nord Andersson und Martin Hansen ins Studio begeben und ein neues Album zusammengezimmert. Dabei wollten die Scorpions ursprünglich nur ein paar im Laufe der Jahre liegengebliebene Archiv-Schätze heben und relativ unspektakulär unters Volk bringen. Doch im Zuge der Sichtung mussten halbfertige Stücke zuerst fertiggestellt und neu eingespielt werden. Dies weckte den alten Songwriting-Hunger bei der Band und ihren beiden schwedischen Produzenten, sodass am Ende 19 Songs zu Buche standen, von denen 12 auf der Standard-Ausgabe und 16 auf der Deluxe Edition des neuen Albums „Return To Forever“ untergebracht wurden.

Scorpions-Fans bekommen somit eine Vollbedienung, die aus den typischen Zutaten für klassische Hardrocksongs aus Hannover besteht: Simple Melodien, relativ platte Texte, eine dominant abgemischte Gesangsstimme und Gitarrenriffs, die nie so hart sind, dass damit ein Radioeinsatz verhindert werden könnte. Damit sind wir mittendrin im Scorps-Sound zirka ab Mitte der 80er Jahre. „We built this house“ vereint dabei zum ersten Mal auf „Return To Forever“ die Markenzeichen der Scorpions, nachdem der Opener „Going out with a bang“ noch etwas hüftsteif daherkommt. Tja, und dann geht es, äh, ab. „Rock my car“ heißt den Hörer in der „Savage Amusement“-Welt willkommen, die Ballade „House of cards“ ist die schwächere, weil langweilige Variante von „Still loving you“ und „All for one“ platziert sich mit seiner Stadionrock-Attitüde irgendwo zwischen Europe und Bon Jovi des Jahres 1986.

Mal ehrlich: Das kann es nicht sein! Doch genauso platt und aus der Zeit gefallen geht es leider weiter. Die Songs vermitteln durchgängig den Eindruck von B-Ware, die gewiss nicht aus Versehen im Archiv verschwunden war und jetzt trotzdem wieder flott gemacht wurde. Echte Perlen müssen deshalb mit der Lupe gesucht werden und finden sich in Gänze leider kaum. So sind es lediglich ein paar gute Momente in Songs wie „Catch your luck and play“, „Hard rockin’ the place” oder auch „The world we used to know“, mit denen sich die Scorpions eine maximal durchschnittliche Bewertung sichern können. Denn immerhin hätte alles noch viel schlimmer kommen können, wenn das Quintett Stücken wie das an die Popsongs einer Katy Perry (!) erinnernde „Rollin’ home” oder schlappem Gegniedel wie in „The scratch“ mehr Raum gegeben hätte.

So gibt es mit den herrlich pathetischen Megaballaden „Eye of the storm“ und „Gypsy life“ nur zwei echte Aha-Effekte in über einer Stunde Spielzeit zu bestaunen, eingehüllt in sehr viel Mittelmaß und unnötiges Wiederbeleben von Archiv-Leichen. Und trotzdem sind die Scorpions schlaue Hunde! Denn wer einen Titel wie „Gypsy life“ ans Ende des regulären Albums stellt, weiß ganz genau, was er tut. So wird der an sich schwache Eindruck mit einem der besten Songs des Albums tatsächlich leicht verwässert und die Keule wieder zurück in die Schublade gelegt.

Anspieltipps:

  • Gypsy life
  • Eye of the storm
  • Hard rockin’ the place
  • When the truth is a lie
  • Catch your luck and play
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