Kid Rock - First Kiss - Cover
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Kid Rock First Kiss


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Und jedes Mal grüßt das Murmeltier namens „All summer long“…

Ein herrlich geschmackloses pinkfarbenes (!) Cover und für ein als Rockalbum erwartetes Werk einen ganz schön doofen Mädchen-Titel mit dem inzwischen traditionellen Zwei-Wörter-Slang, hat sich Robert James Ritchie (44) alias Kid Rock da für sein mittlerweile zehntes Studioalbum einfallen lassen. Aber der zum Southern-Rock konvertierte Ex-Rock-Rüpel mit HipHop-Hintergrund war ja schon immer etwas simpel gestrickt. Da muss so ein Ausrutscher einfach verziehen werden. Doch in anderen Belangen verdient sich Herr Rock heuer ein paar Hiebe mit dem Lineal. Immer schön auf die Flossen!

Denn der Opener und Titeltrack ist so schamlos bei Bryan Adams‘ „Summer of ‘69“ geklaut und mit Country-Elementen zugekleistert, dass es schon nicht mehr lustig ist. Hier wurden nicht nur die Noten, sondern auch die inhaltliche Bedeutung des Songs kopiert, die nun als Blaupause für Kid Rocks Rückblick in einen Sommer in den vermutlich späten 80er Jahren dient. Der Ort des Geschehens wird romantisch verklärt nach Romeo, Michigan, verlegt, wo der kleine Robert mächtig steil geht: „I remember waiting for the school bus, Jenny Clayton was my first crush, and neither one of us had a clues. An old Cheyenne it was my first truck, rusted, rough and kinda beat up, but when she jumped in, it felt brand new“.

Eingängig und süffig ins Ohr gehend ist dieser Einstieg. Respekt! Und doch auch ganz schön dreist. Aber man sollte es mit der Eingängigkeit nicht übertreiben. Denn schon das folgende „Reim dich oder ich fress dich“-Monster „Good times, cheap wine“ ist mit seiner Boogie-Melodie ganz tief im Keller des amerikanischen Schlagers angelangt, aus dem Kid Rock auch mit den nächsten Songs nicht mehr herauskommt. Plakative Dünnbrettbohrerei wie in „Johnny Cash“ („You know the sun is shining on Kentucky, they’re drinking bourbon by the batch, I walk the line because you love me. And I wanne be your Johnny Cash”) wechselt sich mit Schunkelliedchen wie „Drinking beer with dad“ und Klischeeveranstaltungen wie „Jesus and Bocephus“ ab. Gähn!

Dabei ist alles immer schön simpel gehalten, von der Musik bis zu den Texten, aus denen jedes Mal der Hit „All summer long“ grüßt. Nur dass so ein Kracher diesmal nicht dabei ist. Dazu darf es zur Abwechslung mal ein bisschen Bluesrock („Ain’t enough whiskey“) oder fast schon reinrassiger Country sein („Good time lookin‘ for me“). Schlappe Balladen („Best of me“) und mit fluffigen Beats unterfütterte Möchtegern-Radiohits wie „One more song“ hätte Herr Rock auch noch im Angebot. Aber es wird einfach nicht besser. So selbstzufrieden und ohne Esprit hat der Hörer Kid Rock noch nie gehört. Wie konnte das nur passieren? Geschmacklose Verpackung, dümmlicher Titel und ein geklauter Hit. Kid Rock ist am Bodensatz seiner Karriere angekommen.

Anspieltipps:

  • First kiss
  • Best of me
  • Ain’t enough whiskey
  • Good time lookin‘ for me
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