Gemma Hayes - Bones + Longing - Cover
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Gemma Hayes Bones + Longing


  • Label: Chasing Dragons
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht Gemma Hayes selbst, aber ihre Musik war scheinbar in der Reha.

Gleich von Gemma Hayes´ „Transatlanticism“ zu sprechen, ist natürlich grob überzogen. Es sollen auch gar keine zu hohen Ansprüche an den Nachfolger des eher mauen „Let It Break“ gestellt werden, bevor dieser sich nicht selbst etablieren kann. Interessanterweise verleumdet Hayes ihr Vorwerk auch gar nicht. Vielmehr erscheint gleich „Laughter“ mit einer Tube Kleber bewaffnet zusammenzubringen, was auf „Let It Break“ nicht immer ganz passend erschien. Der Opener ist immer noch bezeichnend für Hayes´ eingängig beruhigenden Stil, doch die Stimmung in Kombination mit der Melodie trägt den Hörer, wo das letzte Album Hörer bloß zugedeckt hat.

Ohne sich und ihre Vorlieben zu verraten, tastet Hayes sich an neue Zugänge heran. Ganz abschütteln kann sie durch ihre Grundnatur auch einschläfernde Tracks wie „Dreamt You Were Fine“ nicht, doch ansonsten ist stets eine Aufwärtskurve zu erkennen. Gerade auch aufgrund des vorangehenden Tracks wirkt „Iona“ trotz nett verträumter Garage-Rock-Einlage träger als es eigentlich ist. Erst „Joy“ bricht das Album mit einer simplen Basslinie auf. Sobald Hayes sich ein Metronom beliebiger Art aufhalst, behält sie ein angenehmes Tempo bei, was „Joy“, aber auch das gediegen tanzbare „Palomino“ auf eine ganz andere Ebene hievt.

Mit eben solchen Liedern verzeiht und, viel wichtiger, versteht der Hörer die melodisch und atmosphärisch anspruchsvolleren Einschübe in Form von „Dark Moon“ und „To Be Your Honey“. Allerdings wirkt es spätestens mit „Chasing“ sehr berechnend, dass jeder zweite Song Fahrt aufnimmt. Nicht wenige werden zu dem Schluss kommen, dass Gemma Hayes schlichtweg Blendwerk unter ihren wie immer sehr langsamen Stil gemischt hat. Das Auf und Ab des Albums gibt diesen Kritikern durchaus recht. „To Be Your Honey“ oder auch das zärtlich zerbrechliche „Caught“ sind jedoch Lieder, die gar nicht anders klingen wollen und sollen.

Tatsächlich hinterlassen die schnelleren, dieses Wort ist relativ zu verstehen, Tracks einen weitaus besseren Eindruck. Wenn Songs wie „Laughter“, „Caught“ und „To Be Your Honey“ bloß Interluden wären, die ein diesmal beschwingteres Album mit Tiefe und Emotion unterstützen, dann hätte sich „Bones + Longing“ als kleines Pop/Rock-Juwel offenbaren können. Die Künstlerin bleibt aber ihrem Singer/Songwriter-Genre verpflichtet, ohne dass sich dafür allzu viele gute Gründe ausmachen lassen. Das Potenzial wird immer wieder „Palomino“ und „Joy“ durchklingen, bevor das Album sich wie mit angezogener Handbremse selbst von größerem abhält. Denn was von dieser Scheibe tatsächlich hängenbleibt, hinterlässt ähnlich viel Lebensgefühl wie einst „Transatlanticism“.

Anspieltipps:

  • Laughter
  • Palomino
  • Caught

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