Susanne Sundfor - Ten Love Songs - Cover
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Susanne Sundfor Ten Love Songs


  • Label: Sonnet Sound/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Gibt es schon so etwas wie New Age-Disco? Wenn nicht, hat Susanne Sundfør diese Ausdrucksform mit „10 Love Songs“ eingeführt. Dieses Konstrukt klingt theoretisch unvereinbar und ist es praktisch auch.

Der Albumtitel „Ten Love Songs” suggeriert, man hätte es mit einem Album voll von Schmuseliedern zu tun, die die norwegische Sängerin über Freunde von sanfter Unterhaltung auskippen will. Die Overtüre „Darlings“ lässt diese Möglichkeit zumindest noch offen. Aber „Accelerate“, „Fade Away“ und „Delirious“ vermitteln durch wuchtige Disco-Beats eine andere Ausrichtung. Susanne Sundførs Stimme klingt hier wie eine gut gelaunte, poppige Lana Del Rey. Sie kommt aus dem Hintergrund und umgarnt die tanzbaren Rhythmen mit schwerelosem Gesang.

Dann gibt es als Ergänzung dazu noch modernen Allerwelts-Electro-Pop, der von David Guetta gesponsert sein könnte („Kamikaze“, „Slowly“). Aber ohne Elfen-Romantik geht es dann wohl doch nicht. „Silencer“ und „Memorial“ verbreiten den Anschein, als wären sie von Celine Dion ausgeliehen, so wirklichkeitsfern klingen sie. Nur beim bedächtigen „Trust Me“ vermittelt die Sängerin glaubhaft verinnerlichte Emotionen.

Susanne schlingert zwischen rhythmusbetonten und ätherischen Klängen hin und her. Da kommt die Frage auf: Können diese beiden Zutaten Liebe ausdrücken? Für die Norwegerin ist das kein Widerspruch: „Für mich ist Liebe nicht immer das, was sie zu sein scheint. Als ich begann an diesem Album zu arbeiten, wollte ich eigentlich eine Platte über Gewalt machen. Aber dann, als ich anfing die Songs zu schreiben, fiel mir auf, dass es zwar durchaus Gewaltaspekte gab, diese aber meistens von Beziehungen und Liebe handelten und wie man eine Verbindung zu anderen Menschen herstellt. Am Ende hatte ich dann zehn Liebeslieder“.

Der Gesamthöreindruck bleibt jedoch zwiespältig und die Einzelteile wirken überwiegend blass und austauschbar. Einzig beim unbequem sperrigen „Insects“ wird Mut zum Extravaganten gezeigt. Susanne Sundfør ist teils Tanzmaus, teils sinnliche Elfe. Die Pop-Lady überzeugt jedoch in keiner Rolle vollständig, zumal die unterschiedlichen Stimmungsbilder einfach nicht zusammen passen wollen.

Anspieltipps:

  • Accelerate
  • Delirious
  • Insects

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