Madonna - Rebel Heart - Cover
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Madonna Rebel Heart


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 74 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

In dieser künstlerischen Verfassung ist Madonna nur noch der Schatten ihrer selbst.

Auch wenn den heiligen Marketing-Fuzzis als Anheizer für die Veröffentlichung eines neuen Madonna-Albums auch weiterhin kein Superlativ zu prahlerisch und abgehoben ist, sieht die Bilanz der letzten Studioalben „Hard Candy“ (04/2008) und „MDNA“ (03/2012) für den Popstar ernüchternd aus. Die Kritiken waren mau, die Fans reagierten weitgehend reserviert bis enttäuscht und die weltweiten Verkaufszahlen landeten kumuliert bei etwa der Hälfte von dem, was „Confessions On A Dancefloor“ (11/2005) noch alleine absetzen konnte. Dass die Werke trotzdem fast überall auf der Welt den ersten Platz der Charts erreichten, ist der Neugier der Menschen und der immer noch sehr respektablen Fan-Schar der Sängerin geschuldet, die sich ja auf jedem Longplayer ein Stück weit neu erfinden möchte, auch wenn das den Ohren der Fangemeinde nach gar nicht sein müsste.

Auch auf ihrem 13. Album, „Rebel Heart“, ist sich Madonna nicht zu schade, stilistisch neue Wege auszuprobieren und unerwartete Gast-Songwriter wie Alicia Keys, Nas, Mike Tyson und Chance The Rapper ins Boot zu holen. Und dass die mittlerweile 56-Jährige auch heuer ihre Ohren am Puls des Pop-Geschehens hat, belegen Produzenten wie Avicii, Toby Gad, Diplo und Kanye West, die sich je nach Ausstattungsvariante von „Rebel Heart“ austoben durften: 14 Tracks in der einfachen Version, 19 Songs in der Deluxe-Version und 25 Stücke in der Super-Deluxe-Version. Da kann einem durchaus schon schwindelig werden, bevor die CD überhaupt einen ersten Ton von sich gegeben hat. Insgesamt hat Madonna für diesen Klang-Cocktail zwei Dutzend Songwriter und Produzenten „verschlissen“, die auch für andere Superstars zum Taktstock greifen und sicher nicht dafür gesorgt haben, dass sich Madonnas Sound besonders autark darstellt.

Ein Song wie „Living for love“, der immerhin als erste Singleauskopplung gewählt wurde, haut einen zwar nicht vom Hocker, gibt aber mit seinen House-Beats bereits ein wenig die Marschroute des Albums vor, das extrem elektronisch, Beat-lastig und auf Atmosphäre bestimmt ausgefallen ist. Wer dabei nach klassischen Pop-Singles sucht, ist auch auf der Super-Deluxe-Version mit seinen mehr als zwei Dutzend Tracks über weite Strecken auf verlorenem Posten. Denn die Sängerin gestattet uns lediglich in Tracks wie „Joan Of Arc“, „Inside out“, „HeartBreakCity“ oder auch „Wash all over me“ mehr oder weniger deutliche Markenzeichen-Songs im Stile der vertrauten Madonna. Und das ist genau im dem Moment zu wenig, wenn der große Rest schlicht und ergreifend nicht funktioniert.

So kommt, was kommen musste: „Rebel Heart“ wirft mit unausgegorenen Electro- und House-Songs um sich, die weder inhaltlich („S.E.X.“, „Devil pray“) noch musikalisch in irgendeiner Weise überzeugen können. Dabei klingt Madonna stellenweise wie Lady Gaga („Ghosttown“), Miley Cyrus („Bitch I'm Madonna”), Britney Spears („Hold tight“) oder auch Nicki Minaj („Holy water“) und tut sich damit alles andere als einen Gefallen. Denn was cool, verwegen bzw. innovativ sein soll, wirkt bei fast vollständiger Auslastung des Speichervermögens einer CD dröge, langweilig und furchtbar dünn. In dieser künstlerischen Verfassung ist Madonna nur noch der Schatten ihrer selbst und „Rebel Heart“ ein ernsthafter Anwärter auf die vordersten Plätze, wenn es darum geht, die Flops des Jahres 2015 zu bestimmen.

Anspieltipps:

  • Inside out
  • Rebel heart
  • Joan Of Arc
  • Veni Vidi Vici
  • Wash all over me
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