Euzen - Metamorph - Cover
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Euzen Metamorph


  • Label: Westpark/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
3.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Als die Matrix gerade begann, Kinosäle zu füllen, hätten Euzen noch für Aufruhr sorgen können.

Was dieser kalte, künstliche Klang mit dem guten Leben zu tun haben soll, kann die Band wahrscheinlich selbst nicht erklären. Euzen ist beim Philosophen Aristoteles eben dieses gute Leben und noch über zweitausend Jahre später streiten seine Nachfolger um die Deutung. Bei der Musik gibt es glücklicherweise nicht so verbissene Regularien darüber, was nun die richtige Interpretation ist. In der Unterhaltungsbranche müssen sich Kritiker und Leser gleichermaßen immer wieder vor Augen führen, dass Nachvollziehbarkeit subjektiver Meinungen vorherrscht. Es gibt keine vom Himmel gefallene Steintafel, an der wir unsere Eindrücke abgleichen und so auf die eine, richtige Bewertung kommen. Wer so etwas erwartet, der macht sich lieber auf, das Orakel von Delphi zu suchen.

Zumindest eine knappe Minute können Euzen das Mysterium um sich selbst aufrecht erhalten. Zwar klingen die synthetischen Klänge schon leicht angestaubt, doch wären Euzen nicht die erste Band, die erfolgreich auf Retro-Charme setzt. Doch dann setzt der Gesang ein und es bleiben keine Fragen mehr offen. Der lange, pathetische und überlebensgroß angelegte Gesang erinnert an die vom Gothic angehauchten Rockfürsten, die sich im Verlauf des letzten Jahrzehnts Band für Band verabschiedet haben. Dazu kommen die elektronischen Spielereien, die eben an den Soundtrack des ersten Matrix-Films erinnern. Nur mehr als im Hintergrund einer Disco-Szene, hätten sich auch Tracks wie „The Order“ nicht wiedergefunden. Hinzu kommt, dass der durchgekaute Ansatz im Gesang schon weitaus besser vorgetragen wurde. Jeder Track ist somit von vornherein mit gefühlter Mittelmäßigkeit bedacht.

Auch wenn sich das Album somit ziemlich schnell als unnötig herausstellt, muss fairerweise festgehalten werden, dass die Band sich sehr selbstbewusst durch das Mittelfeld bewegt. Hörer können in „The Order“ und „Mind“ typische Ideen aus den gewählten Genres ausmachen, die solide und gekonnt eingesetzt werden. Allein die Melodie und Verarbeitung der Elemente kann sich nie von bekannten Schablonen abheben. Würde sich die Scheibe als druckvolle Bündelung von Tugenden ohne Innovationen präsentieren, könnte schließlich weiterhin gefeiert werden. Das Ergebnis ist jedoch von einer Sorte, die der Band lediglich den Zutritt in den Künstlerkreis, nicht aber die Anerkennung dessen verschafft.

Mit halbgaren Dubstep-Einschüben in „Phobia“ und weiteren Spielereien kreieren Euzen eine unnütze Vielseitigkeit. Es fehlt die Grundlage, die überhaupt erst fesseln soll und kann. Wenn der Stil der Band schon niemanden für sich begeistern kann, wie soll es dann mehr als vielleicht der eine oder andere Track erst schaffen. Die Lieder klingen jedoch schon im Ansatz so harmlos, wie das lange und sich nirgends hin bewegende „Metamorph“, sodass bleibende Eindrücke ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheinen. Die 48 Minuten der LP fühlen sich viel länger an und das allein spricht eine deutliche Sprache für diese Musik ohne jeden Fokus.

Anspieltipps:

  • The Order
  • Mind
  • Vis A Vis

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