The Agonist - Eye Of Providence - Cover
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The Agonist Eye Of Providence


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Kanadier verabschieden sich bei Alissa White-Gluz mit der Veröffentlichung eines ungewöhnlich zugänglichen Werkes.

Musste man sich für die letzten Alben der Kanadier The Agonist noch wie bei einem 8Bit-Rollenspiel selbstständig eine Karte zeichnen, um die ganzen Querverstrebungen und Hintertüren in Gänze erfassen zu können, so fällt dieser Aspekt mit dem neuen Werk „Eye Of Providence“ aufgrund seines deutlich zugänglicheren Konzepts kurzerhand weg. Die Die Hard-Fans werden aufschreien und neben dem schändlichen Weggang von Aushängeschild Alissa White-Gluz, die nun Angela Gossow bei der Melodic Death-Truppe Arch Enemy vertritt, den Untergang der Band heraufbeschwören und in weiterer Folge das Ende des gesamten Metal, wie wir ihn kennen und lieben. Dass dies ganz und gar nicht der Fall sein muss, zeigen Danny Marino (Gitarre), Pascal Jobin (Gitarre), Chris Kells (Bass) und Simon McKay (Schlagzeug), welche mit ihrem neuen Frontkehlchen Vicky Psarakis (Gesang) einen mehr als gelungenen Job abgeliefert haben.

Natürlich ist eine Rampensau wie Alissa, die zudem maßgeblich am Songwriting beteiligt war, nicht von heute auf morgen zu ersetzen und das hässliche Entlein Vicky wird mit Sicherheit noch mehrere Liveshows benötigen, um auch wirklich zu einem wunderschönen Schwan zu werden, doch auf den ersten Metern vollbringt Miss Psarakis, die von ihrem Arbeitgeber durch ihre Vocal Cover-Videos auf Youtube gefunden wurde, eine mehr als beachtliche Leistung, was schon am Opener „Gates of horn and ivory“ zu begutachten ist, wo sie sich in die stimmliche Schnittmenge einer grunzenden Angela Gossow und einer keifenden Elizabeth Schall (Dreaming Dead) einordnet. Ihre Klargesangseinlagen verlieren sich zwar das eine oder andere Mal in übermäßigem Pathos („Architects hallucinate“) oder theatralischem Overacting („My witness your victim“), was in einer Emocore-Band stimmig wäre, bei der Metalcore/Melodic Death Metal-Mischung von The Agonist jedoch zu dezentem Heben der Augenbrauen führt. Hier müssen Vicky und der Rest auf jeden Fall noch verstärkt Abstimmungsarbeit leisten, sonst könnte der übereifrige Einsatz der jungen Dame das Boot schneller kentern lassen, als es der gesamten Besatzung lieb ist.

Musikalisch bewegen sich The Agonist nach dem allzu verschachtelten Vorgänger „Prisoners“ (06/2012) und den Balletteinlagen aus „Lullabies Of The Dormant Mind“ (02/2009) jedenfalls wieder in gemäßigten Gewässern, allerdings ohne dass der Hörer auf seine ordentliche Portion aus durchgeknalltem Spielwitz verzichten muss. Da hacken sich z.B. knackige Djent-Strukturen in das Trommelfell („Follow the crossed line“), melodiöse Pop-Strukturen und ungestüme Metal-Passagen geben sich die Klinke in die Hand („Danse macabre“), ein fettes Groovebrett sorgt für eine gut geölte Nackenmuskulatur („I endeavor“) oder die in der Vergangenheit für The Agonist geschaffene Schublade Progressive Metalcore findet in „A necessary evil“ ihre Daseinsberechtigung, während „Perpetual notion“ die astreine Melodic Death Metal-Nummer des Albums darstellt und „The perfect emodiement“ besonders mit einer wuchtigen und atmosphärischen Inszenierung glänzen darf.

„It was a whole new experience and the most enjoyable we’ve ever had. There was an air of full collaboration like never before. It was a good balance of group effort and individual composition and understanding that balance. While Vicky and I were the main composers, every member composed part of this album and this was the first album, where lyrical content was also shared between Vicky, Simon, and myself”, versucht Gitarrist Danny den Weggang von Alissa zu kompensieren, trifft damit aber den Nagel genau auf den Kopf. Ja, „Eye Of Providence“ mag vielleicht nicht so verwegen und mutig sein wie der Backkatalog, dennoch hört man dem vierten Werk der Kanadier an, dass hier eine Band ein Album geschrieben hat und nicht ein einzelnes, omnipotentes Individuum, das stur seine Sicht der Dinge durchprügeln will. Auf Dauer ist dieser Ansatz der Zukunft der Truppe sicherlich zuträglicher.

Anspieltipps:

  • A Necessary Evil
  • The Perfect Embodiment
  • Follow The Crossed Line

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