Nena - Oldschool - Cover
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Nena Oldschool


  • Label: Laugh & Peas Entertainment
  • Laufzeit: 59 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer glaubt, dass Nena auf „Oldschool” klingt wie in den 80er Jahren, ist so was von schief gewickelt.

Gabriele Susanne Kerner alias Nena nennt ihren neuen Longplayer (Zählungen ergeben, dass es ihr achtzehnter ist) „Oldschool” und wagt darauf tatsächlich einen umfassenden Rückblick auf ihr Leben, erfindet sich dazu aber musikalisch ein Stück weit neu. Denn zusammen mit ihrem Produzenten, Rapper Samy Deluxe (37), entwarf die 54-Jährige ein elektronisches Klangbild, in das der Nena-typische Pop-Rock eingepflanzt wurde. Das ist in vielerlei Hinsicht mutig, denn für Nena bestand nicht wirklich die Not, ihren Fans einen veränderten Sound zu kredenzen. Zudem hat sich Mr. Deluxe mit seinen letzten Eigenproduktionen nicht gerade mit Ruhm bekleckert, sodass die Produzentenwahl durchaus mit einem Risiko verbunden war. Am Ende zieht sich die NdW-Ikone allerdings ganz achtbar aus der Affäre.

Machen wir uns nichts vor, der Sound des Titeltracks, der „Oldschool“ eröffnet, ist ein gewöhnungsbedürftiges Etwas aus HipHop-Beats und verfremdeten 80er Jahre Atari-Ping-Pong-Geräuschen, die fraglos irgendwie cool sein wollen, aber es nicht über die Ziellinie schaffen. „Lieder von früher“ bläst in dasselbe Horn. Nena wandert inhaltlich in die Achtziger, als es noch echte Ohrwürmer und Vinyl-Schallplatten gab (Hey, die sind aber wieder im Kommen! – die Redaktion), kommt musikalisch aber nicht über einen schlappen Dance-Popsong hinaus.

„Genau jetzt“ wartet mit atmosphärischen Beats und einer schwebenden Melodie auf und trifft damit schon eher den Punkt zwischen Retro und Zeitgeist, während „Ja das wars“ fast schon klassischer Nena-Pop ist, wären da nicht wieder die zurückblickenden Lyrics, die auf Dauer (wir sind erst bei Song Nummer vier angekommen!) für eine unnötig gekünstelte Alterung sorgen. Dann doch lieber ganz konsequent in die Electro-Punk-Disco abbiegen („Berufsjugendlich“), echte Old-School-Beats aus den 80er Jahren verbraten („Betonblock“, „Jeden Tag“) oder einen Radiohit aus dem Ärmel schütteln, der an gute, alte Zeiten erinnert („Magie“).

In der zweiten Albumhälfte erwartet den Hörer noch mitunter recht düsterer Electro-Rock („Kreis“) und sehr bedächtige, aber angenehme Titel wie „Peter Pan“, „Schicksal“ und „Bruder“, mit denen „Oldschool“ endgültig die Kurve bekommt und dem Experiment, Rapper Samy Deluxe als Produzenten anzuheuern, am Ende als gute Wahl attestiert werden kann.

Anspieltipps:

  • Magie
  • Schicksal
  • Peter Pan
  • Jeden Tag
  • Genau jetzt
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  • 2018    
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