Stefanie Heinzmann - Chance Of Rain - Cover
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Stefanie Heinzmann Chance Of Rain


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Stefanie Heinzmann klingt nun poppiger und internationaler. Nicht unbedingt ein Fortschritt.

Die Schonzeit wurde mit dem selbstbetitelten, dritten Album (03/2012) beendet. Die Singles funktionierten nicht mehr wie gewohnt und blieben hinter den Erwartungen zurück. Der Hype-Bonus der Siegerin der aus dem Ideen-Fundus von Stefan Raab stammenden Casting-Show „Ssdsdsswemugabrtlad“, war endgültig verbraucht. Zwar steuerten Stefanie Heinzmann und ihr Team mit der Verpflichtung internationaler Top-Songwriter gegen den Trend an, der bisher noch jeden Casting-Show-Sieger ereilte, doch aus der Soulstimme aus der Schweiz wurde mehr und mehr ein klassisches Pop-Produkt, das sein am bedeutendsten hervorstechendes Alleinstellungsmerkmal im großen Pop-Haifischbecken verlor.

Drei Jahre später knüpft „Chance Of Rain“, das vierte Studioalbum der Schweizerin, an die Idee des Vorgängers an. Zwar wurde die 26-Jährige stärker als je zuvor in das Schreiben der Songs miteinbezogen, doch mit einer guten Handvoll Produzenten und Aufnahmen in den USA, England, Deutschland und der Schweiz, ist die Ausrichtung auch heuer wieder auf die Maxime „weg vom Motown-Sound“ angelegt. Es sollte alles etwas poppiger und elektronischer klingen, ohne dass die organische Basis grundlegend verloren geht. Ein ganz schöner Spagat, den zu bewältigen kaum möglich scheint.

Dabei sticht aus den 13 Songs eine eindeutige Tendenz heraus: Es scheint, als hätte ein Act wie Ellie Goulding bei Tracks wie „Closer to the sun“, „Little too long“, „Little universe“ und „Waterfall“ stilistisch Pate gestanden. Denn egal ob balladesk, poppig oder elektronisch angehaucht, rein zufällig sind die Parallelen zu der knapp zwei Jahre älteren Kollegin aus England sicher nicht entstanden. Mit dieser neuen Internationalisierung im Sound der Schweizerin bleibt leider auch einiges vom Charme der frühen Werke auf der Strecke. Stefanie Heinzmann klingt anno 2015 professioneller – und damit leider auch beliebiger.

Das soll nicht heißen, dass „Chance Of Rain“ ein schlechtes Album ist. Die Stücke halten fast durchgängig internationalen Standards stand, egal ob es sich um ansteckenden Gute-Laune-Pop („Devil on my shoulder“, „In the end”), atmosphärischen Elektro-Pop („Stranger in this world“), dramatische Breitwand-Balladen („On fire“) oder Funk („What’s on your mind“, „Glad to be alive“) handelt. Die Songs sind durchgängig stark gesungen, aber inzwischen auch so rundgeschliffen, dass sie im Radio neben Katy Perry, Marina & The Diamonds und Co. nicht mehr auffallen. Eine bedenkliche Entwicklung, die insgesamt einer Stagnation gleichkommt.

Anspieltipps:

  • On fire
  • In the end
  • Chance of rain
  • Devil on my shoulder
  • Stranger in this world
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