Aimo Brookmann - Schneckenhauseffekt - Cover
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Aimo Brookmann Schneckenhauseffekt


  • Label: Mein Label/SOULFOOD
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Taichi alias Aimo Brookmann spürt den Blues wieder.

Aimo Brookmann ist der bürgerliche Name des Berliner Rappers Taichi (31), der zwischen 2004 und 2010 ein gutes Dutzend Alben und EPs auf den Markt gebracht hat, ehe er sich eine künstlerische Pause gönnte, die er nun mit seinem Comeback-Album „Schneckenhauseffekt“ beendet hat. Erstmals nutzt Brookmann für eine Veröffentlichung seinen bürgerlichen Namen. Der Grund dafür wird schnell klar: „Schneckenhauseffekt“ ist kein klassischer HipHop mehr und inhaltlich so persönlich ausgefallen, dass eine neue Verpackung für die Musik hermusste. Zudem wird das Kapitel Taichi mit „Schneckenhauseffekt“ jetzt endgültig offiziell geschlossen.

Aimo Brookmann ist nach der Veröffentlichung des „Therapie“-Albums (2008) und einigen nachgeschobenen Download-Mixtapes aus seinem kommerziell nicht sonderlich erfolgreichen Leben als Rapper Taichi ausgestiegen. Er stand kurz vor einem Burnout und pilgerte auf dem Jakobsweg, um zu der Erkenntnis zu kommen, dass ihm die Musik zwar unheimlich viel bedeutet, Aufwand und Ertrag aber in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zueinander standen und letztendlich die Gesundheit dabei draufging. Die Jahre ohne neue Veröffentlichung nutzte der 31-Jährige dazu, die Liebe zur Musik wiederzufinden und seine Kreativität zusammen mit dem Produzenten Timo Krämer (Vega) in neue Bahnen zu lenken.

Das Ergebnis ist das Album eines selbsternannten „Antirappers“, der natürlich nicht auf einmal mit dem Singen angefangen hat, aber auf musikalischer Ebene einiges strikt anders macht. HipHop-Beats wie im Titeltrack sind nur selten zu hören und werden z.B. durch Pianoklänge abgelöst („Schon okay“). Es gibt Streicher („Der Weg“) sowie akustische („Halt mich“) und E-Gitarren („Antirapper“) zu hören. Aimo Brookmann geht sogar so weit, Gunter Gabriel (!) als brummigen Gastsänger einzuladen und dunkle Rammstein-Atmosphäre zu schaffen („Zieh mich zurück“).

Daraus resultiert ein ungewöhnlich intimes Album, das mit depressiv wirkenden Texten und einem düster anmutenden Klangteppich im Midtempo-Bereich, über den Aimo Brookmann seine Geschichten rappt, jegliche gute Laune beim Hörer wegbläst. In den guten Momenten erinnert dieser Stil an den Kollegen Casper, der als Majoract freilich ganz andere finanzielle Mittel einzusetzen imstande ist. Dies ist der Produktion von „Schneckenhauseffekt“ leider anzuhören, die dadurch noch klaustrophobischer wirkt und am Ende im positiven Sinn verstörte Hörer zurücklassen könnte.

Anspieltipps:

  • Der Weg
  • Wintertag
  • Geburtstag
  • Nochmal reden
  • Katastrophe Notwehr
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