Soundtrack - Fifty Shades Of Grey - Cover
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Soundtrack Fifty Shades Of Grey


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Romantisch-verträumte Klanglandschaften für die Verfilmung der kontrovers diskutierten BDSM-Fanfiction.

Wenn eine Hausfrau von Klassikern der Literaturgeschichte verleitet wird, eigene Bücher zu schreiben, die in kürzester Zeit millionenfach Absatz finden und als Verfilmung ähnliche Zahlen in den internationalen Lichtspielhäusern generieren, dann sind bei einem derart erfolgsversprechendem Platzhirsch Nachahmer vorprogrammiert. Der Weg, den die Fanfiction zu Stephenie Meyers Twilight-Romanen von E.L. James, die mit bürgerlichem Namen Erika Leonard heißt, gegangen ist, zeugt in diesem Sinne einmal mehr davon, dass Erfolg keineswegs auf ausgeklügelte PR-Strategien und hochwertige Literatur zurückzuführen ist, sondern in Zeiten von Mundpropaganda und viralem Marketing sich einem ständig im Wandel befindlichen Massengeschmack zu unterwerfen hat, der auf Qualität selten Wert legt. Die drei grundlegenden Eckpfeiler, wie sie auch schon im Quellenmaterial oder anderen ähnlichen Blockbuster-Romanen der letzten Zeit wie z.B. „The Hunger Games“ zum Tragen gekommen sind, der allgemein als „Shades Of Grey“ betitelten Trilogie (der Ausbruch aus dem bzw. die Revolution gegen das triste(n) Dasein, das unerforschte Abenteuer sexueller Gelüste und die gute alte „Mädchen trifft Junge“-Mär) ziehen mit unterschiedlich starker Ausprägung in diesen drei Gebieten jedenfalls noch immer und verhalfen der Britin quasi über Nacht zu weltweitem Ruhm.

Grund hierfür waren jedoch nicht ein ausgezeichneter Schreibstil, fesselnde Spannung oder gewitzte Dialoge, sondern der Fokus auf die BDSM-Praktiken, die der reiche und gut aussehende Christian Grey mit der schüchternen und wenig selbstbewussten Anastasia Steele vollzogen hat. Anders als beim ebenfalls mehr als kontrovers diskutierten und hinsichtlich der expliziten Darstellung von Authentizität und Nachvollziehbarkeit haushoch überlegenen Film-Doppel „Nymphomaniac“ des Enfant terrible Lars von Trier, ist die pünktlich zum Valentinstag 2015 ins Kino kommende Verfilmung zu „Fifty Shades Of Grey“ jedoch nichts anderes als eine zweistündige Hollywood-Metapher über ein erblühendes Mauerblümchen, in der es aufgrund der sexuellen Präferenzen von Milliardär Grey stellenweise etwas nackter und härter zugeht. Hoffen wir mal, dass nach Torture Porn-Filmen wie „Saw“ und „Hostel“ hiermit nicht nur lediglich auf die Bedürfnisse der „Höher, schneller, weiter“-Gesellschaft eingegangen wird, die durch das World Wide Web und der damit einhergehenden fehlenden, sozialen Nähe immer abgestumpfter erscheint, sondern auch Werte vermittelt werden, die abseits von Twitter und Facebook Relevanz haben. Diskussionen zu den in diversen Grauzonen befindlichen Aspekten, die in „Fifty Shades Of Grey“ aufgegriffen werden, gibt es ja zu Genüge.

Für die Produzenten hinter dem ersten großen Filmspektakel im neuen Jahr ist ein kommerzieller Erfolg allerdings schon so gut wie sicher, zählt der vor etwas mehr als sechs Monaten veröffentlichte Trailer mit 93 Millionen Klicks zum am häufigsten angesehen Video auf Youtube 2014 und konnte sich damit sogar vor dem Teaser zur neuen Star Wars-Trilogie einreihen. Wie es sich für ein Großereignis dieser Art gehört, stellt der dazugehörige Soundtrack im besten Falle das passende Äquivalent zur lustvollen Action auf der Leinwand. Im Falle von „Fifty Shades Of Grey“ handelt es sich jedoch mehr um eine Ansammlung von romantisch-verträumten Pop- und R&B-Songs, denn um eine Zusammenstellung provokativer Texte, die von vor Sex und Erotik strotzenden Beats umgarnt werden. Als paradigmatisch darf die bereits bekannte Singleauskoppelung „Love me like you do“ von Ellie Goulding gelten, deren zuckersüßer Gesang und durchaus gelungene Lalala-Hookline mit den Fesselspielchen von Protagonist Grey eine mehr als unpassende Symbiose einzugehen versucht. Ähnlich erwischt es auch den handzahmen Beitrag „Undiscovered“ von Laura Welsh, die luftige Nummer „One last night“ der Vaults und das mit verhuschtem Gesang und schwebendem Ambiente verzierte „Salted wound“ der australischen Sängerin Sia., wobei letztere Nennung zumindest schon so etwas wie ein wohliges Prickeln auslöst.

Langsam, aber sicher in die richtige Richtung begeben sich dafür Annie Lennox mit ihrem Sreamin´ Jay Hawkins Cover zu „I put a spell on you“, das zwar meilenweit vom ekstatischen Original entfernt bleibt, aber durch den jazzigen Touch eine interessante Facette beisteuert, die amerikanischen Electro Rocker Awolnation, die ihrem „I´m on fire“ leider nicht die gleiche betörende Anziehungskraft des Bruce Springsteen-Originals entlocken können, aber wenigstens auf übermäßige Spielereien verzichten, und Beyoncé, die mit ihrem ersten von zwei Titeln einen etwas zerfahrenen, aber zumindest düsteren Remix ihres Songs „Haunted“ offeriert. Den Nagel auf den Kopf trifft sie dafür mit dem Cover ihres eigenen Songs „Crazy in love“, der aufgrund einer niedrigeren Schlagzahl und gehauchten Lyrics, sowie lasziven Betonungen die kontrovers diskutierte Vorlage mit dem auf ihrem letzten und selbstbetitelten Album „Beyoncé“ vollzogenen Imagewandel kollidieren lässt. Der ebenfalls mit zwei Stücken vertretene Künstler The Weeknd verfährt ähnlich und legt mit dem langsamen Walzer „Earned it“ eine brillante Vorstellung seiner androgynen Charakterstimme vor, während „Where you belong“ eine Spur bedrohlicher agiert, mitunter aber ein wenig den Fokus verliert.

Die Soul- und R&B-Sängerin Jessie Ware versucht hingegen, ihrem „Meet me in the middle“ eine vergleichsweise erotische Atmosphäre einzuhauchen wie sie bei „Earned it“ vertreten ist, versagt jedoch kläglich durch unbeholfenen Gestus und leere Phrasierung. Dann doch lieber Skylar Grey, die mit „I know you“ auf ihre glockenhelle Stimme setzt, durch den langsam anschwellenden Spannungsbogen der Nummer allerdings für eine eindringliche Vorstellung sorgt. Bleiben neben den beiden Danny Elfman-Beiträgen, die einen vielversprechenden Einblick in den ebenfalls erscheinenden Score geben, eigentlich nur noch The Rolling Stones und Frank Sinatra übrig. Obwohl man bei „Beast of burden“ und „Witchcraft“ keine Ahnung hat, wieso diese Stücke, abgesehen vom Text, auf diesem Soundtrack vertreten sind. Eignet sich die Sinatra-Nummer schließlich eher für ein romantisches Dinner zu zweit denn für ein gepflegtes Dominanz/Unterwerfungs-Szenario. Am Ende stellt sich aber ohnehin die Frage, aus welchem Grund man gedenkt, sich den Soundtrack zuzulegen: Will man sich auf die Verfilmung einstimmen bzw. die Bücher vor dem geistigen Auge Revue passieren lassen oder will man schlicht und ergreifend eine gute Song-Zusammenstellung zum Thema Liebe haben. Zählt man sich zu letzterem Lager, wird man zweifelsohne mehr Spaß an der Compilation haben, denn für die innewohnende Thematik der Vorlage sind mehr als die Hälfte der vorliegenden Songs eindeutig als zu brav zu werten und zeichnen sich daher durch eine mittelschwere Themenverfehlung aus.

Anspieltipps:

  • The Weeknd - Earned It
  • Skylar Grey - I Know You
  • Beyoncé - Crazy In Love (2014 Remix)

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