BalticSeaChild - BalticSeaChild - Cover
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BalticSeaChild BalticSeaChild


  • Label: SPV Recordings
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Baldrian-Überdosis für die Pogues aus dem Hause Wingenfelder.

Dorfdisko, kurz vor halb 3: Der Korn fließt in ungesunden Strömen, Männlein und Weiblein sind willig, ihre letzten Reserven zu mobilisieren und den Partyabend mit einer abschließenden Eskalation auf der Tanzfläche würdevoll zu beenden. Der DJ erkennt die Lage und greift zum letzten Mittel: The Pogues, Irish Folk kommt immer gut. BalticSeaChild wird er wohl nicht auflegen. Und das hat Gründe.

Es mag daran liegen, dass die Band um Kai Wingenfelder nicht von der Insel sondern aus dem eher unterkühlten Hamburg kommt. Der Mitgründer von Fury In The Slaughterhouse kehrt ausgelatschten Pfaden den Rücken und nahm zusammen mit Lars Jensen (Tears for Bears) ein Irish-Folk-Album auf. Nur logisch, war Wingenfelder doch schon mit den ,50381Pogues auf Tournee und konnte sich somit ein repräsentatives Live-Bild von dem machen, was die wohl größte Band des Genres alles richtig macht.

„BalticSeaChild“ erreicht jedoch zu keinem Zeitpunkt ein vergleichbares Qualitätsniveau. Natürlich haben auch Shane MacGowans Inselpunker weniger gelungenes Material veröffentlicht, eines hatten aber alle Platten der Briten gemein: Sie waren kraftvoll. Wingenfelder und Jensen bemühen sich redlich, dem Album den typischen folkigen Grundton zu verpassen. Das gelingt aufgrund genretypischer Instrumentenwahl auch spielend, dennoch fehlt den Songs vor allem eines: Power.

Dabei tut sich die Band keinen Gefallen, das genreprägende Banjo - so prominent es auch auf dem Cover platziert ist - in eine schüchterne Nebenrolle zu drängen. So präsent wie im schmissigen „Fool In The Rain“ kommt die Folk-Klampfe nur sehr selten zur Geltung, so dass sich die Band selbst eines an sich simplen Mittels zur Stimmungsmache beraubt. Da hilft auch das mutige „Rocketman“-Cover wenig, das weder Elton Johns sehnsüchtiges Säuseln noch irgendeinen anderen Mehrwert bieten kann. Belanglos.

„BalticSeaChild“ ist bei allem Gemecker beileibe kein schlechtes Album geworden, bleibt in weiten Teilen jedoch unspektakulär und austauschbar. Echte Highlights sind sehr rar und so bleibt am Ende doch der Eindruck, dass die Baltic Sea gerade im Mittelteil ein wenig zu öde vor sich hinplätschert.

Anspieltipps:

  • Devil’s Love
  • Fool In The Rain
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