The Charlatans - Modern Nature - Cover
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The Charlatans Modern Nature


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Von den verschiedenen Möglichkeiten, Trauer zu verarbeiten.

Trauer und negative Gefühle fördern oft kreative Blüten zu Tage. Als Jon Brookes, Drummer der Charlatans, im vergangenen Jahr seinem Krebsleiden erlag, begann für seine Band ein neues Kapitel ihrer 16-jährigen Geschichte. „Jon was adamant that there was going to be another Charlatans record, and you have to put hat into your own thoughts.“

So gesehen stellt „Modern Nature“ sowohl eine Verarbeitung der Vergangenheit, als auch einen Aufbruch in eine ungewisse Zukunft dar. Der Trauer kann mit introvertierten und nachdenklichen Songs begegnet werden, aber auch mit positiver Stimmung und optimistischen Popsongs. „Modern Nature“ versucht beides, wechselt stetig zwischen dunklen und hellen Momenten. „We were arching for the summer when we wrote it. It was freezing and we were trying to write songs that made us happy.“ Dass das Album im Winter entstand, darf durchaus als Metapher für den tragischen Verlust der Band gesehen werden.

Musikalisch wurde Brookes prominent ersetzt. Die Percussion übernimmt Pete Salisbury (The Verve), zusätzlich verstärken Stephen Morris (New Order) und Gabriel Gurnsey (Factory Floor) die Band. „Talking in Tones“ beginnt sehr zurückhaltend und klingt in keiner Weise positiv oder danach, als könnte der Song irgendjemanden in eine fröhliche Stimmung versetzen. Anders schon „So Oh“, das mit seiner beschwingten Akustik-Gitarre so etwas wie Aufbruchstimmung erzeugt. Es ist gerade dieser Wechsel zwischen den Stimmungen, der es schwer bis unmöglich macht, einen roten Faden auf „Modern Nature“ auszumachen.

Dennoch kommen The Charlatans auch anno 2015 mit interessanten Songs um die Ecke. So motzen die Briten an sich unspektakulären Indie-Rock regelmäßig mit kleinen Feinheiten auf, die den Songs dann doch eine eigene Note verleihen. Die Gitarre im Background von „Emilie“ ist beispielsweise eines der absoluten Highlights des Albums und schenkt dem Song das Maß an Emotionalität, das er verdient.

So makaber es klingt: Der Schicksalsschlag hätte der Band die Chance gegeben, mit einem ausgereiften Konzeptalbum, das auch auf voller Länger fesselt, zurückzukommen. Jedoch ist „Modern Nature“ ein Mischmasch aus Aufbruch und Trauer, manchmal interessant, manchmal langweilig, aber stets ohne klare Linie. Das schadet der Qualität einzelner Songs nicht wirklich, als Gesamtkunstwerk zur Aufarbeitung des Erlebten taugt die Platte allerdings zu keiner Zeit. Am Ende steht solides Mittelmaß, wo eigentlich auch eine emotionale Großtat möglich gewesen wäre.

Anspieltipps:

  • Talking in Tones
  • Emilie

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