36 Crazyfists - Time And Trauma - Cover
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36 Crazyfists Time And Trauma


  • Label: Spinefarm/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Durchdachter Metalcore für Erwachsene, der dem guten Beispiel des Vorgängeralbums folgt.

Wenn die Crazyfists schon immer etwas gut konnten, dann die Kombination von traditionellem Metal und Core. Natürlich stehen sie damit nicht alleine da, aber immerhin beherrschen sie ihr Handwerk und konnten während ihrer langen Karriere von 20 Lenzen nach und nach einen eigenen Sound etablieren. „Time And Trauma“ bildet in jener Hinsicht keine Ausnahme - glücklicherweise! Es ist immer wieder der Kontrast von Härte und Melodie, der den kleinen aber feinen Unterschied macht. Somit ist die sechste Langrille eine runde Angelegenheit, die zwar nicht komplett neue Wege beschreitet, sich aber aufs Wesentliche konzentriert und dabei das Songwriting statt kompromisslose Härte als Priorität setzt. Die fünfjährige Studioabstinenz von Brock Lindow und seinen Kumpels hat sich gelohnt, denn einen Schnellschuss gibt es nicht. Im Gegenteil: Die 36 Crazyfists sind keine angepissten Jugendlichen, sondern Musiker, die wissen, was sie tun. Stellvertretend dafür steht bereits der Opener „Vanish“, der eigentlich keine Fragen offen lässt. Es darf schon rumpeln, die Melodie wird jedoch nicht vergessen und ein beinahe schon strukturierter, aufgeräumter Aufbau zeigt, dass sich die Crazyfists mit Sorgfalt ihrem Album Numero sechs näherten.

Ihrem eigenen guten Beispiel folgen die Herren aus Alaska schließlich. Songs wie „Silencer“, „Gathering Bones“ und das schlichtweg fantastische Schlusslicht „Marrow“ bieten so manche Details, was zeigt, dass hier keiner höher, schneller oder weiter sein wollte. Vielleicht ist es eine gewisse Reife, die die Crazyfists mitbringen - mit jungen Rüpelbands sind die 36 Crazyfists spätestens jetzt nicht mehr zu vergleichen und auch auf eine müffelnde Emo-Ästhetik wird verzichtet. Dafür erinnert ein beinahe progressiver Aufbau (ohne allzu oder überhaupt komplex/verkopft zu werden) an den starken Vorgänger „Collisions And Castaways“ (2010). Die Musiker sind einen langen Weg bis hierhin gegangen, ihr Sound klingt anno 2015 durchdacht und auf den Punkt gebracht. Brachial bleibt die Band selbstverständlich schon, aber trotz der typischen softeren Parts angenehm unkitschig. So gehen „Swing The Noose“, „Lightless“ und der direkt folgende Titeltrack beispielsweise keinen Schritt zu weit in Richtung Core oder Nu und einen im Bezug auf Bands dieses Schlages gemäßigten „traditionellen“ Metal. Eventuelle Metalcore-Parts wirken nicht aufgesetzt und fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein - für das Genre ist das eine hohe Kunst!

Richtig rumpeln darf es dann in „11.24.11“ und im vorab veröffentlichen „Also Am I“. Die Fists wären nicht die Fists, wenn sie den Moshpit komplett ignorieren würden. Die einzige Schwäche von „Time And Trauma“ zeigt sich in der üppigen Spielzeit von 51 Minuten, in der sich die 36 Crazyfists dann doch früher oder später wiederholen und sich ein wenig Leerlauf breit macht. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen. Hätten sich die Crazyfists streng auf die stärksten und kreativsten Momente konzentriert, wäre „Time And Trauma“ das vielleicht rundeste und überlegteste Album ihrer Karriere geworden. Das Gute bleibt natürlich gut und allein das reicht schon aus, um die ausgehungerten Fans super zu bedienen. Fazit: Die Crazyfists fühlen sich nach 20 Karrierejahren in ihrem zweiten Frühling wohl und das merkt man!

Anspieltipps:

  • Vanish
  • Time And Trauma
  • Swing The Noose
  • Marrow

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