Scott Matthew - This Here Defeat - Cover
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Scott Matthew This Here Defeat


  • Label: Glitterhouse Records
  • Laufzeit: 34 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ganz große Kunst: Schmerz und Schönheit in Balance und in der Schwebe zu halten. Scott Matthew beherrscht sie.

Scott Matthew zum Fünften. Kaum zu glauben, dass der in Australien geborene und in New York lebende Singer/Songwriter seit gut zehn Jahren im Geschäft ist. Mit dem Ex-Morrissey-Drummer Spencer Cobrin hatte Matthew die Formation Elva Snow gegründet, die 2010 ein gleichnamiges Album veröffentlichte. Über Soundrack-Beiträge zur Komödie „Shortbus“ (John Cameron Mitchell) konnte er die Aufmerksamkeit des entsprechenden Publikums auf sich ziehen. Bereits sein Solo-Debüt erschien auf dem renommierten Label Glitterhouse, dem er bis zum heutigen Tag die Treue gehalten hat.

Scott Matthew reiht sich zu den Schmerzensmännern des Singer/Songwriter-Genres: Antony Hegarty (Antony And The Johnsons), Josh T. Pearson und Rufus Wainwright sind sicherlich Seelenverwandte, wobei Matthew bislang seinen ganz eigenen Weg gegangen ist und auch geht. Das wird bereits mit dem ersten Ton seines neuen Werks „This Here Defeat“ deutlich. „Effigy“ eröffnet mit schwermütigsten Streichern, die in einer versöhnlich gezupften Akustikgitarre (Jürgen Stark) Erlösung erfahren und Matthews Stimme phrasiert zwischen Schmerz und Schönheit.

„This Here Defeat“ ist der Titel seines neuen Albums und es erzählt von der Liebe, vom Verlassen werden und dem daraus folgenden Schmerz. Das ganz große Gefühlskino, das hinter schwarzen Vorhängen dennoch die Schönheit der Liebe und des Lebens preist. Wiederholt wird der Zuhörer zu Tränen gerührt, denn wenn Scott Matthew Lyrics wie „If I stitch my head to your shoulder / I can cry upon it“ haucht, dann setzt dies unwillkürlich Emotionen frei. Oder die Gitarre von Jürgen Stark, die mit einfachen, umso wirkungsvolleren Figuren einen sanften Stich in die Seele setzt wie es z.B. in „Constant“ der Fall ist. Zudem sind es Cello und Violinen, die sich wie schwarze Wolken am Himmel formieren und seelenschwer auf den Songs lasten, jedoch von Matthews Stimme und sanften Gitarren- und/oder Piano-Passagen ans Licht geführt werden. „Ruined Heart“ hat jene traurige Schönheit, die auch das Video in beeindruckenden Schwarz-Weiß-Bildern wiedergibt.

Bei „Bittersweet“ hellt die weibliche Singstimme von Sylvie Lewis die Szenerie auf, es wird sogar fröhlich gepfiffen, Scott Matthew hat auch die positiv-optimistische Stimmung im Programm. Diese bleibt jedoch die Ausnahme, vielmehr ist die Kunst von Scott Matthew, Schmerz und Schönheit auszubalancieren. Auch das schmachtend wie schwermütige „Here We Go Again“ schwelgt in jenen Grenzbereichen, die uns wiederholt Gänsehaut bereiten. Oder Tränen. Das finale „Palace Of Tears“ rührt zu ebendiesen und zieht den schwarzen Vorhang vor.

Dieses traurig anmutende Album umarmt einen förmlich. Scott Matthew hat diese Fähigkeit, den Zuhörer psychisch und physisch zutiefst zu berühren. Schmerz und Schönheit in Balance oder in der Schwebe zu halten, das beherrschen nur wenige Singer/Songwriter. Scott Matthew hat diese außerordentliche Gabe und gehört zu den ganz Großen seiner Zunft.

Anspieltipps:

  • Effigy
  • Constant
  • Ruined Heart
  • This Here Defeat
  • Here We Go Again
  • Palace Of Tears

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