Halestorm - Into The Wild Life - Cover
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Halestorm Into The Wild Life


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Für alle Fans und die, die es noch werden wollten, ein unerwartet harter Schlag ins Gesicht!

Vor drei Jahren landete ein Album namens „The Strange Case Of…“ (04/2012) im virtuellen Briefkasten und ehe sich der Verfasser dieser Zeilen versah, war er auch schon dem rotzfrechen Hardrock der Geschwister Lzzy (Gesang, Gitarre, Klavier) und Arejay Hale (Schlagzeug), sowie ihren restlichen Mitstreitern Joe Hottinger (Gitarre) und Josh Smith (Bass), verfallen. Die Songs handelten zwar weitestgehend von normalen Problemen normaler Menschen, doch die Aufteilung zwischen 2/3 lauten Rockgebärden und 1/3 sanftem Balladengeschunkel passte einfach und die Produktion von Howard Benson (My Chemical Romance, Bon Jovi, P.O.D., Papa Roach, Motörhead) fetzte unerschrocken durch die Lautsprecher. Der Vierer sackte für die Single „Love bites (so do I)“ dann auch noch im Vorübergehen einen Grammy ein und die Sensation nach einem Jahrzehnt vergeblicher Suche nach einem Plattenvertrag war geglückt.

„Diese besondere Aufmerksamkeit war wirklich phantastisch und trug enorm zur Stärkung unseres Selbstvertrauens als Band bei. Also haben wir uns entschlossen, alles, was wir bisher gewohnt waren, über Bord zu schmeißen und etwas völlig Neues zu wagen“, berichtet Frontsau Lzzy, lädt ihre drei Jungs ins Auto und fährt mit ihnen nach East Nashville, wo unter der strengen Führung von Produzent Jay Joyce (Eric Church, The Wallflowers, Emmylou Harris) der Band „ein Southern Rock-Käfer ins Ohr gekrabbelt“ ist, während ein großer Teil der Aufnahmen in einer Kirche (!!) stattfand. Wie das mit dem sexuell aufgeladenen („Ich wollte, dass ein paar Songs diesmal ein wenig kontroverser und sexueller sein sollten“ - Zitat Lzzy) und vor Kraft strotzenden Hardrock von Halestorm zusammen passt? Richtig! Absolut gar nicht! Wir haben es hier ja schließlich auch nicht mit Arcade Fire zu tun (siehe „Neon Bible“)!

Unterm Strich wird „Into The Wild Life“ somit zu einem einzigen Ärgernis. Zackige Passagen werden sofort weichgespült oder einer Pop-Gehirnwäsche unterzogen („Amen“, „New modern love“, „Gonna get mine“), bekommen interessante, aber nicht konsequent durchgezogene Country-Kleidchen übergezogen („Apocalyptic“, „I like it heavy“) oder sind schon von Haus aus aus dem Giftschrank von Pink entwendet und zu schmalzigen Balladen umfunktioniert worden („Dear daughter“, „Bad girl´s world“). Wenn Lzzy mit ihrem durchaus wandlungsfähigen Organ einmal aufdrehen darf, pfeift Produzent Joyce sie sofort zurück („I am the fire“), verzerrt ihre Stimme mit allerlei Elektronik („Mayhem“) oder lässt sie lediglich in gehauchten Bekenntnissen zu Orgelklängen glänzen („What sober couldn´t say“). Wirklich hängen bleibt bei dieser handzahmen Vorstellung allerdings gar nichts und ist ein Song vorbei, ist er auch schon wieder vergessen.

Dabei hätte der Wunsch nach einem Richtungswechsel durchaus aufgehen können. Diesen erstickt die komplett an den Bedürfnissen einer Band wie Halestorm vorbei agierende Produktion aber bereits im Keim, fast so als hätte Joyce einen Bonus bekommen, wenn die Tracks so konzipiert werden, dass dem Hörer eine interessant klingende Einleitung geboten wird, damit dieser mit leuchtenden Augen vor dem Abspielgerät sitzt und auf Besserung hofft, nur um vom anschließenden Durchschnittsgedudel immer wieder auf ein Neues völlig im Regen stehen gelassen zu werden. Doch machen wir uns nichts vor: Halestorm hatten sicher auch ein gutes Wörtchen beim Songwriting und der Ausrichtung von „Into The Wild Life“ mitzureden und wenn die Luft raus ist, dann ist die Luft eben raus. Hoffen wir einfach inständig, dass sich Lzzy und ihre Mannen mit dem nächsten Werk wieder in gewohnter Frische zeigen, anstatt eine halbgare Country/Pop-Pomade über ihre Kompositionen zu kleistern bzw. kleistern zu lassen.

Anspieltipps:

  • Mayhem
  • I Am The Fire
  • What Sober Couldn´t Say

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