Betontod - Traum Von Freiheit - Cover
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Betontod Traum Von Freiheit


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Punkrocker aus Rheinberg punkten einmal mehr mit Authentizität und treffsicheren Stadionhymnen.

Kann man bei einer Punkrockband, die mit ihrem letzten Album die Top 10 geknackt hat, noch von Auflehnung gegen das System sprechen oder treffen die auf „Entschuldigung für nichts“ (08/2012) angesprochenen Themen einfach so sehr den Massengeschmack, das Betontod vollkommen unschuldig am Erfolg ihres sechsten Outputs sind? Hier kann man getrost mit…Moment mal! Punkrockband? Wo handelt es sich bei den Rocksongs mit dezenten Punk-Reminiszenzen und sporadisch eingestreuten Metal-Einlagen denn noch um Punkrock? Diese Frage werden sich Oliver Meister (Gesang), Frank Vohwinkel (Gitarre), Mario Schmelz (Gitarre), Adam Dera (Bass) und Maik Feldmann (Schlagzeug) in letzter Zeit womöglich häufiger gestellt haben, eine Antwort darauf geben sie auf ihrem neuesten Werk „Traum von Freiheit“ allerdings nicht.

Die Rolle als massenkompatible Rockmusiker, die hochansteckende Melodien und Stadionhymnen für die großen Bühnen und einschlägige Festivals schreiben, obwohl sie in einem früheren Leben einmal die Fahne der Punkbewegung geschwungen haben, gefällt der fünfköpfigen Truppe zu gut, als dass sie sie einfach ablegen würde. Zum Glück überträgt sich dies als spritzige Gangart und authentisch dargebrachte Grundhaltung eins zu eins auf den Hörer, der bei den mitreißenden Hooklines aus „Mein letzter Tag“, „Ich bereue nichts“ oder „Nur für eine Nacht“ gar nicht anders kann als lauthals mitzugrölen oder wie ein Bekloppter durch das Wohnzimmer zu pogen. Da fallen dann auch die offensichtlichen Defizite wie die zwischen Sportfreunde Stiller und Stammhauskneipe changierenden Texte oder die stark schwankende Gesangsqualität von Meister, dessen Organ in den schlimmsten Fällen an einen gelangweilten Udo Lindenberg („Für immer“) oder einen besoffenen Campino (Die Toten Hosen) in „Kämpferherz“ erinnert, kaum ins Gewicht - sofern Betontod es nicht verabsäumen, einen starken Gegenpol in die Kompositionen unterzubringen.

Diese Makel machen sich nämlich vor allem in den letzten Stücken bemerkbar, in denen die Rheinberger vergessen, bissig zu bleiben, und lediglich eine wehmütige Stimmung („Legion der Verdammten“), flache Refrains („Alles was ich wollte“), aufgekratzten Nu Metal („Kämpferherz“) oder Liebkosungen für die Stammtischrunde („Nach all den Jahren“) kredenzen. Mit fabelhaftem Stressabbau der Marke „Ihr könnt mich“, intelligent verpacktem Aktivismus („Geschichte“) und verdammt eingängigem Material zum Während-der-Demo-singen („Traum von Freiheit“) haben diese Nullnummern jedenfalls nichts zu tun und ziehen das ansonsten grandiose Gute Laune-Paket unnötig nach unten. Durch eine Produktion von Vincent Sorg (Die Toten Hosen, In Extremo, Donots) bleibt dafür alles schön knackig und selbst der kitschige Klavierpart in „Für immer“ schmiegt sich angenehm an das Trommelfell. Kurzum: Wer sich trotz der angesprochenen Makel nicht von der vollen Ladung Betontod abhalten möchte, darf getrost zugreifen und wird aller Voraussicht nach auch nicht enttäuscht werden. Kleine Kostproben im Vorhinein sind hierfür aber Pflicht, denn ansonsten könnte der „Traum von Freiheit“ womöglich nicht zum Verzehr geeignet sein.

Anspieltipps:

  • Ihr könnt mich
  • Mein letzter Tag
  • Traum von Freiheit

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