Faun - Luna: Live Und Acoustic In Berlin - Cover
Große Ansicht

Faun Luna: Live Und Acoustic In Berlin


  • Label: Electrola/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 88 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Faun nehmen am ESC-Vorentscheid teil und schicken dazu zwei Songs sowie ihr um eine Live-CD erweitertes Studioalbum aus dem Jahr 2014 ins Rennen.

Vor gerade einmal einem halben Jahr veröffentlichte die aus dem bayerischen Gräfelfing bei München stammende Mittelalter/Folk/Pagan/Pop-Band Faun ihren aktuellen Longplayer „Luna“ (09/2014), da bekommt das Werk auch schon einen Live-Ableger an die Seite gestellt. Dieses Vorgehen erscheint nicht nur arg kurzfristig, sondern ist auch etwas ärgerlich, denn der geneigte Fan muss das komplette „Luna“-Album noch einmal kaufen, um an die zweite CD mit dem Konzertmitschnitt zu gelangen und bekommt dazu auch noch die Bonustracks der Deluxe Version vorenthalten.

Ausgangspunkt dieser misslichen Lage waren die Proben für die anstehende „Luna“-Tournee. Bei diesen spielte die Band rein akustisch und bemerkte dabei, dass die Songs in abgespeckten Gewändern ohne den Einsatz von Computern und Synthesizern einen ganz neuen Zauber entwickelten. Daraus entwuchs wiederum der Plan, eine Auswahl von „Luna“-Songs, erweitert um ein paar Klassiker „unplugged“ aufzunehmen und offiziell auf den Markt zu bringen. Am 15. Dezember 2014 wurde daraufhin im Berliner Funkhaus vor 50 Fans ein akustisches Live-Konzert mitgeschnitten, das nun nicht nur das Ursprungsalbum erweitert, sondern mit „Hörst du die Trommeln“ und „Abschied“ auch noch zwei Lieder für den Vorentscheid des 2015er European Song Contest mitbringt, auf dem Faun auf Konkurrenten wie Laing, Andreas Kümmert und Mrs. Greenbird treffen werden.

Tatsächlich wirken die Faun-Stücke in reduzierten Arrangements auf akustischer Basis wesentlich authentischer und angenehmer, als in aufgeblasenen Studioversionen. Hört man nun das rhythmische Feuerwerk in einem Titel wie „Hörst du die Trommeln“ oder die träumerische Melodie von „Abschied“ (beide als neue ESC-Versionen), dann erscheint es alles andere als abwegig, dass Faun uns in diesem Jahr beim European Song Contest in Wien vertreten könnten.

Die ursprüngliche Besprechung: Seitdem die Pagan/Folk/Mittelalter-Musik-Band Faun mit dem letztjährigen Album „Von Den Elben“ (01/2013) nach mehr als einem halben Dutzend Independent-Produktionen zum Major Universal Music gewechselt ist, hat sie ein Problem. Die eingeschworene und schon immer sehr eigene Genre-Fangemeinde folgt dem nun eindeutig kommerzieller ausgerichteten Weg der Ende der 90er Jahre in Gräfeling gegründeten Band nicht ohne Kritik.

Der Begriff „Schlagermusik“ fiel erschreckend häufig. Von Kompromissen war die Rede. Doch auch wenn Faun mit ihrem Wandel vermutlich den einen oder anderen Ur-Fan verloren haben mögen, so hat sich die musikalische Neuorientierung in Richtung Pop in Bezug auf die Mainstream-Wahrnehmung der Band gelohnt. „Von Den Elben“ erreichte in der deutschen Album-Hitliste den siebten Rang und verblieb 36 Wochen in den Charts.

Wie erwartet, knüpfen die Bayern mit „Luna“ 1½ Jahre nach „Von Den Elben“ an diese künstlerische Entwicklung an und liefern damit den mittelalterlichen Gegenentwurf zu den Seemannsschunkelliedern von Santiano ab. Inhaltlich werden dazu die Genre-üblichen Themenfelder abgegrast („Walpurgisnacht“, „Hörst du die Trommeln“, „Frau Erde“, „Buntes Volk“). Dazu erklingen Drehleier, Dudelsack, Maultrommel, Bouzouki, Flöte, Harfe und Hackbrett, wobei die Valicon-Produktion von Ingo Politz und Bernd Wendlandt (u.a. Maschine, Sebastian Hämer, Silly, Thomas Godoj, Silbermond, Eisblume) einen sehr deutlichen Mainstream-Stempel trägt.

Dieser Umstand raubt den Songs in der Tat den typisch rauen Charme der Mittelalter-Musik, die nun handzahm und aalglatt aus den Lautsprechern pluckert. Doch auch die Texte schaffen es nicht, mehr als die üblichen Gemeinschauplätze abzutasten, sodass das verkündete Albumkonzept, „das Wesen der Nacht zu erkunden“, leider nicht mehr als heiße Luft darstellt. Auf diese Weise schlagen nun also auch Faun den Weg von Genre-verwandten Kollegen wie Schandmaul, In Extremo, Saltatio Mortis und Subway To Sally ein, die allesamt von der Industrie gebändigt wurden und sich mal mehr, mal weniger von ihren Ursprüngen entfernt haben.

Es wird interessant zu beobachten, wie Faun auf Dauer mit ihrer neuen Ausdrucksweise beim Publikum ankommen. Denn mit „Luna“ sitzt das Sextett fast schon zwischen den Stühlen von Mittelalter-Musik und Pop, wobei das Album von balladesken Stücken dominiert wird, die mehr Ambient- als Rock-Einflüsse besitzen. Handwerklich mag das okay sein, doch was den Spannungsfaktor betrifft, ist „Luna“ eher eine Schlaftablette.

Anspieltipps:

  • Buntes Volk
  • Walpurgisnacht
  • Wind & Geige XIV
  • Abschied (ESC Version)
  • Hörst du die Trommeln (ESC Version)
Neue Kritiken im Genre „Mittelalter Musik“
4/10

Midgard
  • 2016    
4/10

Luna
  • 2014    
Diskutiere über „Faun“
comments powered by Disqus