Frankie Chavez - Heart & Spine - Cover
Große Ansicht

Frankie Chavez Heart & Spine


  • Label: Search Records/Broken Silence
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein innovativer und homogener Genre-Mix geht weit über den Blues-Grundgedanken hinaus.

Schon seine Vita lässt keine Fragen offen: Frankie Chavez ist ein Vollblutmusiker wie er im Buche steht. Seitdem er eine Gitarre halten kann, macht Frankie das auch. Diverse Bands (França & Mandala, Beringela Amarela), ein Musikstudium, Straßenmusik in Australien und das Komponieren von Filmmusik sprechen eine deutliche Sprache. Kein Wunder, dass seine Hörer den Portugiesen auch finanziell unterstützen. „Heart & Spine“, der Nachfolger vom Debüt „Family Tree“ (2012) wurde per Crowdfunding finanziert und erscheint leicht verspätet nun auch in Deutschland. Seinem Erfolgsrezept bleibt der gute Frankie treu: Blues, Rock, Folk, vielleicht eine Prise Americana, vielleicht ein wenig Indie und alles darf sich zumindest am Rande in Fado-Agonie suhlen, was Frankies zweitem Longplayer stets eine latente Melancholie beschert. Eine Melancholie, die gleichermaßen dezent wie zu fast jeder Zeit deutlich spürbar ist und „Heart & Spine“ richtig Klasse gibt! Eines steht jedenfalls fest: Auf eine einzige Musikrichtung lässt sich Chavez nicht reduzieren. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Am Ende geht es darum, etwas Homogenes zu schaffen und hier ist Frankie Chavez ein echter Gewinner!

Der Titel „Heart & Spine“ ist schließlich Programm. Dass die 14 Kompositionen eine Herzensangelegenheit für Frankie sind, muss nicht unbedingt erwähnt werden, das Rückgrat steht dagegen kerzengerade und ist hart wie Stein. Teilweise kommen solch Nummern wie „Fight“, „Long Gone“, „Voodoo Mama“ und ganz besonders der Titeltrack roher, ehrlicher und zünftiger rüber, als es so mancher Interpret mit deutlicher Intention je schaffen würde. Man darf nicht vergessen, dass Chavez eine Punkrock-Vergangenheit hat, die sich hier als absolut hilfreich erweist. Wie dem auch sei: Er ist jedenfalls in gleich mehreren Disziplinen ein echt fitter Zeitgenosse. Wenn er seinen Fuß vom Gaspedal nimmt, ist auch dies spannend und gelungen. „Psychotic Lover“ ist zum Beispiel angenehm reduzierter, rein akustischer und auf Frankies Stimme fokussierter Blues, während sich der Portugiese mit dem träumerischen „Sail Upon Your Shore“ und dem folkigen „Sweet Life“ schließlich in Pop-Gewässer wagt, ohne dabei in drohender Massenmarktanbiederung zu ertrinken. Im Gegenteil, Chavez hält tapfer die Stellung und erwartet trotz aller Einfachheit und Straightness seiner Songs Aufmerksamkeit vom Hörer.

Die Stimmungen schwanken stark und Frankie Chavez hat stets einen großen Pool an Ideen und Inspirationen, auf die er auch allzu gerne zurückgreift. Ein nach Desert Rock regelrecht stinkendes „Her Love“ kommt direkt inklusive einem überfetten Gitarrensolo, mit dem Chavez ein für alle Mal klar macht, dass er das Instrument beherrscht. Doch gerade in den rein instrumentalen, einfacher gehaltenen Instrumentalnummern „Pine Trees“ und „Faixa 14“ findet sich die größte Magie von „Heart & Spine“. Vorhanden ist jene jedoch zu jeder Zeit, egal was Chavez nun macht oder wie er vorgeht. Das merkt der Hörer: Frankies zweiter Longplayer ist abwechslungsreich, lebt von unzähligen, kunterbunten Ideen und stellt selbst den gelungenen Vorgänger locker in den Schatten. Und genau deshalb ist „Heart & Spine“ ein überaus kreatives und kurzweiliges Werk, welches auch Genre-Unkundige direkt verstehen und lieben können.

Anspieltipps:

  • Long Gone
  • Heart & Spine
  • Pine Trees
  • Voodoo Mama
  • Sail Upon Your Shore
  • Faixa 14

Neue Kritiken im Genre „Blues“
Diskutiere über „Frankie Chavez“
comments powered by Disqus