Sherwood & Pinch - Late Night Endless - Cover
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Sherwood & Pinch Late Night Endless


  • Label: Tectonic/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Altmeister haben den Dubstep zu sehr verstanden.

Was soll man über Adrian Sherwood schreiben? Über jemanden, der wahrscheinlich zu den wichtigsten Pionieren und Vertretern des Dubstep zählt, der schon Depeche Mode produzierte und remixte und der vermutlich nicht unwesentlich daran beteiligt ist, dass sich Trent Raznor (How To Destroy Angels) heutzutage nicht zu schade ist, komplett der Elektronik verfallene Alben zu veröffentlichen.

Und dann ist da noch Rob Ellis, aka Pinch. Ein deutlich jüngerer Vertreter des Genres, während Sherwoods erster Erfolge noch im Laufstall statt in der Dancehall unterwegs. „Late Night Endless“ ist die Symbiose zweier bedeutsamer Künstler eines Genres, das ohne den einen nie so groß geworden und ohne den anderen wohl längst untergegangen wäre. Diese Überhöhung muss erlaubt sein.

Mit so viel Dub-Kompetenz ausgestattet, kommt die LP auch entsprechend vollkommen daher. Nicht, dass „Late Night Endless“ ein perfektes Album wäre. Dennoch ist jedem Song anzumerken, dass die Künstler ihre Akzente perfekt zu setzen wissen. Kein Bass wirkt übertrieben, kein Sample fehl am Platz. Es ist fast beängstigend mit welcher Präzision Sherwood & Pinch arbeiten. Einen wirklich schlechten Song findet man auf dem Album nicht.

Besonders spannend ist die Tatsache, dass der Platte eine genretypische Intensität innewohnt, ohne dabei besonders laut oder extrovertiert daherzukommen. Wahrscheinlich gab es nur wenige Dubstep-Alben in den letzten 30 Jahren, die so zahm und dennoch so intensiv auf den Hörer wirken. Genau hier liegt jedoch auch die entscheidende Schwäche des Albums: An vielen Stellen vermisst man genau diesen einen Ausbruch, der das Genre ausmacht, der jegliche Melodie wegbläst und Dubstep zu Dubstep macht. Einer Platte Perfektion vorzuwerfen mag albern sein, für den ganz großen Wurf ist „Late Night Endless“ ein wenig zu glatt geraten.

Was bleibt ist dennoch hörenswert: Es ist die Kooperation zweier für sich betrachtet maximal relevanter Künstler, die jetzt eine Basis für weitere, vielleicht mutigere Veröffentlichungen in der Zukunft gelegt haben und damit bei aller Perfektion dennoch interessant bleiben.

Anspieltipps:

  • Shadowrun
  • Bucketman

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