Rone - Creatures - Cover
Große Ansicht

Rone Creatures


  • Label: Infine/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
4/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Kreaturen des französischen Elektronik-Musikers Rone haben den kalkulierten Charme von Gebrauchsmusik, welche beinahe universell einsetzbar ist. Nur zum genussvollen Hören ist sie nicht geeignet.

Rone kommt aus Frankreich, heißt eigentlich Erwan Castex und macht elektronische Musik, die flächig und raumfüllend wirkt. Das sind Klänge, die zur Hintergrundbeschallung dienen können. Das ist Musik, die man nebenbei laufen lassen kann, ohne dass sie Gespräche stört. Das sind also Töne, die als unverbindlich empfunden werden können. Nach eigenem Bekunden des Elektronikers soll diese dritte Veröffentlichung sein neues Verlangen nach ruhigen, freien weiten Klängen, nach Sonne und Schatten, elektronischem Funkenschlag und akustischer Schönheit erfüllen. Nun ja, man kann sich diesen Tönen natürlich auch voll und ganz widmen. Sich in sie fallen lassen, Zeit und Raum vergessen und abschalten. Sich also zum Zwecke der Entspannung berieseln lassen. Diese Art der Unterhaltung ist nicht neu. Es gibt sie mindestens schon seit den Siebzigerjahren, als die deutschen Elektronik-Pioniere Klaus Schulze und Tangerine Dream ihre Space-Sound-Kreationen unter das Volk brachten. Brian Eno hat später den Begriff Ambient Music für sphärische Klänge geprägt und die „gepflegte Langeweile“ zur Kunstform erklärt. Links und rechts davon gab es immer wieder neue Spielarten, die mal als New Age oder als Art-Pop deklariert wurden. Für den einen ist es Kaugummi fürs Gehirn, für den anderen eine Möglichkeit, ohne Drogen in neue Bewusstseinsebenen einzutauchen.

Aber welches Prädikat kann für Musik unverbindlicher sein, als dass man sie gut nebenbei laufen lassen kann, ohne dass sie auffällt? Das hat dann den Wert einer akustischen Tapete oder eines Gebrauchsgegenstandes. Jede Form der Auseinandersetzung ist damit von vornherein erledigt. Nach diesem Prinzip funktionieren aber die Kompositionen von Rone. An- und abschwellende Muster werden vor dem Hörer ausgebreitet. In diese Rhythmusfiguren werden unstrukturierte Solo-Parts von natürlichen und elektronisch erzeugten Instrumenten eingebaut, die kreative Improvisationskunst heucheln. Oder es zirpt und piepst, was wohl Heiterkeit darstellen soll, aber nur eine sterile Stilübung bleibt. Wie in dem Genre neuerdings üblich, singt auch noch eine Elfe („Sir Orfeo“, „Calice Texas“) und in „Quitter La Ville“ ein Mann auf Französisch, um für etwas Abwechslung und Exotik zu sorgen. Bei „Freaks” gibt es dann auch den gern benutzten Klassik-Fake, was eine elitäre Zugehörigkeit vortäuscht.

Es gab mal den Begriff Muzak für Gebrauchsmusik und Töne, die manipulativ angewendet werden. Als Fahrstuhlmusik zum Ablenken, zur Beschallung von Verkaufsflächen, zur Steigerung der Kauflust oder zur Beruhigung beim Zahnarzt werden solche psychologisch abgestimmten Klanganordnungen genutzt. Ohne es vielleicht zu wollen, fällt auch Rone in diese Kategorie. Denn man kann sich gut vorstellen, diese Geräusche auch in Telefon-Warteschleifen, in Baumärkten zur Berieselung der Kundschaft oder beim Besuch von Schickeria-Kneipen als unauffällige Deko-Musik zu hören. Aber für zu Hause taugt sie nicht. Da lässt sich die Zeit anregender gestalten.

Anspieltipps:

  • Quitter La Ville

Neue Kritiken im Genre „Electro-Pop“
Diskutiere über „Rone“
comments powered by Disqus