Avishai Cohen Trio - From Darkness - Cover
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Avishai Cohen Trio From Darkness


  • Label: Rykodisc/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Jazz, ganz klassisch. Und hier und da mit einem Hauch Klassik versehen.

Lieb es oder lass es. Bassist Avishai Cohen und seine beiden Mitstreiter Nitai Hershkovits (Piano) und Daniel Dor (Schlagzeug) haben weiterhin kein Interesse daran, den Jazz zu revolutionieren oder wie andere Musiker zu fusionieren. Da ist dieser feine Einschlag von Hershkovits Saitenspiel, welches einige Stücke mit klassischen Tönen zu verschmelzen droht, doch ansonsten steht Jazz in Reinkultur auf dem Programm. Mit all seinen Schwächen und Stärken weiß das Trio um die Faszination des Genres, welches jedoch nicht wenigen einen Schauer über den Rücken jagen wird.

Natürlich gibt es ausschweifende Passagen einzelner Instrumente, die ihren Freiraum so frei und unbefangen wie möglich nutzen dürfen. Diese Freiheit der Drums in „C#“ zum Beispiel genießen einige, wogegen andere die technisch gut gespielten Passagen eher unnötig langgezogen und unfokussiert empfinden werden. Willkommen am Scheideweg des Jazz. Wer sich für diesen Ansatz der Improvisation nicht erwärmen kann, der findet spätestens in „Ballad For An Unborn“ sein Nemesis, das Inferno. Knappe acht Minuten muss auf echte Zusammenhänge verzichtet werden. Es ist, als würde das Trio die Grundmelodie in die Luft werfen und sie dort minutenlang schweben lassen, um sie dann wieder auf den Punkt einzufangen. Das kann begeistern, liefert jedoch nichts essenziell Neues und dürfte auch bei Fans eher als Kleinod an vergangene Zeiten herhalten.

Es hilft, schwarze Klamotten mit Turtleneck zu tragen. Und wenig überraschend könnten auch einige Progressive Rock-Hörer Freude an Stücken wie „From Darkness“ finden. Nur selten engen sich die Musiker jedoch so sehr wie im stringenten Opener „Beyond“ ein, der das wohl beste Gleichgewicht auf der ganzen Scheibe findet. Die Band verkauft ihre Kreativität keineswegs und lässt alle drei Instrumente zur Entfaltung kommen. Und das ganz ohne die langen Unterbrechungen. Letztlich ist der Ansatz jedoch Geschmackssache, auch wenn der kondensierte Ansatz des Openers und auch die Bossa-Nova-Huldigung „Abie“ gleich zu Beginn aus dem Raster fallen. Hinzu kommen das einige an den Barock erinnernde „Almah“ und das Charlie Chaplin-Cover „Smile“ zum Abschluss.

Weder jene Hörer, die Improvisation feiern möchten, noch die Freunde des intimen Kammertons, werden 100%ig mit dieser Mischung zufrieden sein. Als nettes Überblickswerk zur Reichweite des Jazz ist „From Darkness“ eine ganz nette Einsteigerplatte geworden. Ein Fokus auf eine gewisse Form von Jazz hätte die Scheibe sehr wahrscheinlich konsequenter erscheinen lassen. Das Trio überragt in erster Linie über die gute Technik und einen einheitlichen Klang trotz der verschiedenen Herangehensweisen. Als Hörer wird man allerdings den Zug vermissen, der dieses Album zu einem Erlebnis und nicht bloß einer Beobachtung eines Genres macht.

Anspieltipps:

  • Beyond
  • Almah
  • Smile

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