Cella ´Door - Dämmerung - Cover
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Cella ´Door Dämmerung


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 32 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Kleine, aber feine Ideen retten dieses Werk vor der drohenden Mittelmäßigkeit.

Die Wortkombination Cella'Door, eigentlich „Cellar door“ wurde vom Fantasy-Über-Papi J.R.R. Tolkien für seine phonetische Schönheit - unabhängig von der eigentlichen Bedeutung - gelobt. Selbstverständlich nahmen fortan Autoren und passenderweise auch Bands dies als Referenz - „Cella vie“! Aus Hannover sind es in diesem Fall gleich sieben Musiker namens Patricia, Natalia, Anja, Geoffrey, Ollie, Sebastian und Dominik, die sich Cella'Door nennen und mit „Dämmerung“ ihren bereits dritten Longplayer veröffentlichen. Außerhalb der Szene blieb ihnen der Durchbruch bislang verwehrt, dank diverser Tourneen mit beispielsweise Welle: Erdball oder Letzte Instanz machte man zumindest auf sich aufmerksam. Das dritte Album ist jetzt natürlich dieses klassische „Make it or break it“ für eine Band. Werden Cella'Door auch außerhalb der Szene etwas reißen können? Eher nicht. Wollen sie es? Zweifelhaft. Ziehen sie ihr Ding durch? Ja, konsequent. Und das sollte wohl auch den meisten reichen.

Das wohl wichtigste Instrument auf „Dämmerung“ ist die Violine von Anja, um welche sich so ziemlich alles dreht und auf die jeder weitere Musiker und Sänger aufbaut. Besonders die klassischen Metal-Instrumente bekommen so beinahe schon eine Alibifunktion. „Dämmerung“ hätte auch ohne metallische Elemente funktioniert und eine ähnliche Wirkung gehabt, keine Frage! Last but not least gibt es das fast schon ultra-generische Gesangs-Duell der zwei Frontfrauen Patricia und Natalia. Der Clou ist, dass hier von Operngesang (klar...) über cleanen Gesang bis hin zu weiblichem Gegrowle (hui!) so ziemlich alles vertreten ist. Und das glücklicherweise ziemlich überzeugend und spannend! Einen Innovationsbonus bekommen Cella'Door wohl auch weiterhin nicht dafür, aber heutzutage rutscht man mit der kompletten musikalischen Kombi schnell in Trash-Gefilde, was gottlob nicht passiert.

So ziehen Cella'Door neun Mal grundsolide ihr Ding durch, ohne zu überraschen oder Dinge großartig anders zu machen. Gewohnt märchenhafte Lyrics treffen auf den Violinen-Metal-Elfengesangs-Mix, dezente symphonische Elemente („Licht“) gibt es genauso wie modernen Folk Metal (Titeltrack), der sich auf angenehme Art und Weise näher an den großen Pionieren Skyclad als an Mittelalter- oder Viking-Schmu orientiert. Gothic Metal? Allgegenwärtig, jedoch eher in einer Form, die heutzutage als Gothic Metal bezeichnet wird und somit keinesfalls puristisch. Sowohl lyrisch als auch musikalisch überzeugen Cella'Door am meisten, wenn sie Gedichte musikalisch interpretieren. Das auf Goethes „Prolog im Himmel“ (Faust. Der Tragödie erster Teil) basierende „Die Engel“ ist schmissig, kurzweilig und rundum gelungen. Fast noch besser macht es „Kōjō no Tsuki“, welches als japanisches Gedicht (Doi Bansui) und Volkslied (Rentarō Taki) anfangs die Rolle des Platzhirsches innehat. Das Stück ist jedoch so populär, dass es selbst von den Scorpions und Yngwie Malmsteen vertont wurde. Cella'Door setzen ihm ihren eigenen Stempel auf und greifen selbst auf ein Shamisen zurück. Es gelingt ihnen schlichtweg mit Bravour!

Solche kleinen Ideen sorgen für kleine, dringend benötigte Aha-Erlebnisse, welche ansonsten viel zu kurz kommen. Und es sind diese zaghaften Innovationen und Wagnisse, die „Dämmerung“ eben vor totaler Mittelmäßigkeit bewahren und gerade so über Wasser halten. Neue Akzente sind mit der Lupe zu suchen, was man der Band natürlich nur schwer vorhalten kann. Alles was hier passiert, schwankt zwischen „absolut solide“, „tausend Mal gehört“ und „super gemacht“ hin und her. Cella'Door bleiben somit eine Band für Genre-Fans, welche durchaus ihre Freude mit den sieben Musikern haben sollten.

Anspieltipps:

  • Die Engel
  • Kōjō no Tsuki
  • Dämmerung

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