Yellow Bird - Sing - Cover
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Yellow Bird Sing


  • Label: Yellowbird/SOULFOOD
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwei Damen machen „Country in gut“. Dass das auch heute noch geht, gilt bei vielen Hörern gemeinhin als Mythos.

Das Herz setzt einen Moment lang aus. „Shame And Scorn“ eröffnet „Sing“ im Stile einer trashig überholten Country-Nummer mit Folk-Wurzeln. Da klimpert das Banjo und die Stimmen nölen und heulen auf. Das braucht doch wirklich keiner! Und diese zwei Damen geben, wie so viele andere Musiker, nicht den Kreuzzug für diese leidenden Töne auf. Im Nachhinein fühlt sich „Shame And Scorn“ allerdings wie eine überlange Persiflage dessen an, was Yellow Bird hinter sich lassen wollen. Anstatt solcher Fremdscham im Audioformat orientiert sich das Duo bei Johnny Cash und bei erwachsenem Blues und sogar Jazz. Da geht es zwar weiterhin um das (Liebes-)Leid des Alltags, doch zumindest klingt es nach Amerika und nicht einem Topos Amerikas, welches eher engstirnige als nostalgische Züge vorweist.

„I Don't Believe You Met My Baby“ löst sich dementsprechend mit schnaufenden Zug-Percussions langsam vom falschen Bild des Vorwurf-Country und legt die Weichen für einen verspielt charmanten Mix, der stets im Country seine Wurzeln findet. Egal in welche Richtung von dort aus gegangen wird, erzeugt die Band stets einen Kammermusik-Klang, der für eine wohlige Atmosphäre sorgt. Das zuckersüße „Freight Train“, wie auch das bluesige „Hello Walls“ klingen nach Musik für kleine Räume, die dicht und warm wirken wollen. Statt Gejammer gibt es vorsichtigen Optimismus und mit Oboen und Co. und sprunghaften Tönen gibt die Musik sich ähnlich beherzt. Dadurch, dass das elende Leid zurückgelassen und wenn überhaupt mit Coming of Age-Nachdenklichkeit ersetzt wird, erscheint dieser Ansatz angenehm jung.

Dazu kommt noch der Wille der Damen, sich an verschiedenen Stilrichtungen zu versuchen. Mit Bossa Nova im selbst betitelten Track „Yellow Bird“, A-cappella-Einlagen in „A Thing“ und immer wieder starken Blues-Einlagen (allen voran in „Lovesick Blues“), sorgen Yellow Bird für ein weltoffenes Bild, welches leider nicht oft mit Country verbunden werden kann. Auf „Sing“ wirkt es jedoch derart einschließend, dass selbst reine Country-Nummern der alten Schule wie „Oh Lonesome Me“ für jedermann einladend wirken sollten. Dazu gesellen sich so kurzweilig zündende Nummern wie das vor Blues strotzende „Walkin‘“ und auch der Rock 'n' Roll-Ausflug „Hello Stranger“. Und ehe Hörer sich versehen, sind 43 überraschend unterhaltsame Minuten auch schon vorbei. Diese Scheibe wird sich noch oftmals in heimischen Anlagen drehen und in diesem Fall handelt es sich bei einer solchen Aussage um keine Drohung.

Anspieltipps:

  • Lovesick Blues
  • Hello Stranger
  • Freight Train

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