Ensiferum - One Man Army - Cover
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Ensiferum One Man Army


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Altbekanntes aus der finnischen Folk-Metal-Suppenküche.

Drei Jahre sind um, Zeit für ein neues Album! Wer angesichts dieser berechnenden Art und Weise die Nase rümpft, dürfte noch nicht die Mechanismen des heutigen Musikbusiness verstanden haben, wo für einen Act wie Ensiferum der Rhythmus aus Album - Promo - Konzerttour - Festival - Songwriting - Album - etc. als unumstößlicher Lebensinhalt zelebriert bzw. im besten Falle unbedingt eingehalten werden muss. Landet ein Album zu spät in den Läden und erweist sich dann vielleicht auch noch als Rohrkrepierer, dann wandert der vormals ergebenste Fan schnell zur Konkurrenz, die mit den frischeren Ideen um die Ecke zischt. Bei Petri Lindroos (Gesang, Gitarre), Markus Toivonen (Gitarre), Sami Hinkka (Bass), Emmi Silvennoinen (Keyboard) und Janne Parviainen (Schlagzeug) muss man sich demzufolge noch keine Sorgen machen, denn nach dem Wechsel zu Metal Blade stehen die Zeichen für das neue Album „One Man Army“ auf Sturm.

Dies bedeutet zwar nicht, das Ensiferum mit ihrem sechsten Album das Opus Magnum ablegen, aber für den dicht gedrängten Terminplan des Fünfers ist beim neuesten Werk dennoch eine stimmungsvolle und solide Scheibe entstanden, die sich nur hinsichtlich ihrer Konsequenz vor den vorangegangenen Platten verstecken muss. Bis es jedoch zu den ersten Schwachstellen kommt, sorgt „March of war“ für entspanntes Herr der Ringe-Feeling, „Axe of judgement“ und der Titeltrack spalten gepflegt die Rübe, „Heathen horde“ marschiert mit der Melodieseligkeit von Tyr und der Chuzpe von Suidakra mit einem majestästischen Chor gegen sämtliche Feindesscharen und das an Minnegesang erinnernde „Burden of the fallen“ versetzt den Hörer ohne Umschweife in ein kitschig-malerisches Mittelalter-Szenario. Anschließend fällt es den Finnen allerdings hörbar schwer, aus den vorzüglichen Melodien („Warrior without a war“, „My ancestor´s blood“) und imposanten Ideen wie einen grummeligen Männerchor oder zarten Frauengesang („Cry for the earth bounds“) Kapital zu schlagen und verbreiten Langeweile und eingeschlafene Füße.

Besonders der Abschluss ist mit dem Fremdkörper „Neito pohjolan“ als mit Westerntouch ausgestatteter Eurovision Song Contest-Beitrag nur sehr schwer zu ertragen (Texas Lightning lassen grüßen!) und dürfte nur mit einem stark zugedrückten Auge den jahrelangen Anhängern nicht im Hals stecken bleiben. Den Göttern sei Dank, erbarmen sie sich in der abgefahrenen Folk trifft Ottawan auf Speed-Nummer „Two of spades“ und liefern eine durchgeknallte Komposition, die so bescheuert ist, dass sie eigentlich von Finntroll stammen müsste. Der große Höhepunkt hört jedoch auf den Namen „Descendants, defiance, domination“ und wütet als 11 ½ Minuten langer Koloss in der bisherigen Ensiferum-Geschichte, in der zu Beginn rockige Parts mit mystischen Keyboards gepaart werden, die in weiterer Folge in eine dynamische Tour de Force münden, die das Beste des Folk Metal in ein paar Minuten bündelt. Wieso der Fünfer ein paar dieser Ideen nicht auch auf die schwächeren Kandidaten von „One Man Army“ repliziert hat, wissen wohl nur Ensiferum selbst. Mit diesem sporadisch überbordenden Füllhorn an Geistesblitzen, Versatzstücken und obskuren Einfällen sichern sich die Finnen aber auf jeden Fall den Fortbestand für die nächsten drei Jahre.

Anspieltipps:

  • Heathen Horde
  • Two Of Spades
  • Descendants, Defiance, Domination

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