David Huhn - Auszeit - Cover
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David Huhn Auszeit


  • Label: Nepomukrecords/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

David Huhn mag Clueso. Sein naiv-gefälliger Deutsch-Pop lässt sich aber eher unter Pur einordnen.

David Huhn heißt tatsächlich so. Er versteckt sich also trotz des putzigen Namens nicht hinter einem Pseudonym. Das zeugt von einer unkomplizierten Natur, was sich auch in seiner Musik widerspiegelt. Diese erscheint bürgernah, direkt und leicht nachvollziehbar. Die Muster sind bekannt, es gibt keine Experimente.

Sein Vortrag besteht aus schlichtem Songwriter-Pop mit Rockeinflüssen und die Texte dazu sind träumerisch mit Hang zur Lebensberatung. Politische oder kritische Töne sind nicht zu hören, stattdessen wird romantisch verklärtes Wunschdenken transportiert. Die Textzeile „Ich glaub dran, dass Träume in Erfüllung gehen“ aus „Jede Sekunde“ belegt diese Weltanschauung. Die Inhalte der Lieder setzen sich aus Kalenderblatt-Psychologie, Binsenweisheiten und anbiedernden Liebesschwüren zusammen. Das erinnert an die naiv-opportunistischen Segnungen von Pur.

Die transportierten Aussagen sind schlicht, teilweise weltfremd und absurd, das aber wahrscheinlich nur unfreiwillig. Eine Kostprobe gefällig? „Wenn dann in der Früh die Atombombe fällt / liegen wir zusammen am Strand im Zelt / Ich reiß ein Loch in die Decke / dann haben wir den besten Blick auf die Rakete / Im Weltuntergang hältst du meine Hand / Wir verschmelzen zusammen / doch Angst zu haben brauchen wir keine / denn wenigstens sterben wir zwei nicht alleine / Das Ende ist jetzt nicht mehr weit / doch mit dir im Arm verbringe ich liebend gern die letzte Zeit“ (aus „Weltuntergang“).

David Huhn scheint ein freundlich gesonnener Zeitgenosse zu sein. Das lässt sich jedenfalls aus seiner unbedarft arglosen Art ableiten. Doch seine Geschichten bringen den aufgeklärten Hörer intellektuell nicht weiter. Musikalisch gibt es gute Ansätze, wie der durch eine führende Slide-Gitarre angetriebene Titeltrack oder der federnd-leichte Folk-Rock von „Glaub daran“. Überwiegend hört man korrekte, aber harmlose Hausmannskost, die brav den gefühlvollen Poeten und sanften Rocker herausstellt. Darauf abgestellt ist der sympathische, locker-ungezwungene Sing-Stil. Deshalb wirkt es unecht, wenn die Stimme moduliert wird, wie beim hohen, verrenkten Gesang in „Erdrotation“.

Der 25-jährige Hamburger Musiker ist eine ehrliche Haut, die in einem engen, konventionellen Korsett gefangen ist. Hätte er seine Fesseln fallen lassen und inhaltlich Klartext geredet sowie musikalisch aufbegehrt, wäre der Gesamteindruck positiver ausgefallen.

Anspieltipps:

  • Auszeit
  • Glaub daran

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