Chadwick Stokes - The Horse Comanche - Cover
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Chadwick Stokes The Horse Comanche


  • Label: Nettwerk/SOULFOOD
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Vom Madison Square Garden zum Wohnzimmerkonzert: Facettenreicher Folk-Pop für alle Fälle.

Chad Stokes Urmston ist Mitglied der Bands Dispatch und State Radio. Vor allem mit Dispatch konnte er einige größere Erfolge feiern. Nach einem Aufenthalt in Simbabwe freundete er sich mit einem Einheimischen an, dem er den Song „Elias“ widmete. Das Lied wurde sehr populär und trug dazu bei, dass Dispatch im Jahre 2007 drei Mal hintereinander vor ausverkauftem Haus im Madison Square Garden spielten.

Mit State Radio zeigte Stokes seine politische Seite, die immer wieder die amerikanische Regierung im Visier hat. Unter dem Namen Chadwick Stokes hat der in Massachusetts geborene Amerikaner anno 2011 sein erstes Soloalbum namens „Simmerkane II“ veröffentlicht. Dabei halfen ihm Carly Simon, Blake Hazard (The Submarines), Matt Embree (RX Bandits), The White Buffalo und Sierra Leone’s Refugee All Stars.

Für den Nachfolger hat Chadwick Stokes ein Produzenten-Team bestehend aus Sam Beam (Iron And Wine), Brian Deck (Gomez, Josh Ritter, Modest Mouse) und Noah Georgeson (Joanna Newsom, Devendra Banhart) zusammengestellt. Stokes war angetan von dessen Ratschlägen und Ideen, die mit in das Album einflossen. Auch die Erfahrungen mit einer Wohnzimmer-Konzertreise waren eine weitere Inspirationsquelle für die aktuelle Platte. Jene Auftritte waren der Gegenpol zum Madison Square Garden, führten Stokes jedoch zu einer neuen Sichtweise, die „The Horse Comanche“ eine menschlichere, intimere und unmittelbarere Note beibrachte.

Stokes zweites Soloalbum kann bei oberflächlichem Zuhören oder als Klangtapete im Hintergrund zum Urteil allzu gefälligen Folk-Pops führen. Nach mehrmaligem Hören und unter der Lupe betrachtet, gibt die Platte nach und nach ihre Facetten preis. Natürlich haben wir es hier mit melodischem und harmonieseligem Folk-Pop zu tun, der aber auf unaufdringliche und zurückhaltende Art seine Anziehungskraft entwickelt.

Auf „The Horse Comanche“ sind Kompositionen, auf die auch ein Paul Simon stolz wäre. „Pine Needle Tea“ hat bspw. jene zarte Melodieführung und „Prison Blue Eyes“ folgt dem Integrieren afrikanischer Elemente ins Popkonzept. Dabei steht Chadwick Stokes Paul Simon näher als Vampire Weekend, er ist vielmehr Singer/Songwriter und weniger Indie-Pop. Dennoch versteht er es, auch Rock-Gitarren und fiepende Synthesizer unterzubringen, wie es in „Our Lives Our Time“ der Fall ist.

Nahezu alle Songs werden mit herrlichen, fast jubilierenden Harmoniestimmen präsentiert, die an eine Kollaboration der Bee Gees mit Stills, Nash & Young denken lassen, der Titelsong und „Hazy Maze“ seien hier stellvertretend erwähnt. Als Gäste dürfen Lucius den Titel „New Haven“ mit fein gesetzten weiblichen Singstimmen veredeln.

Am Ende unterstreicht „Walter (First Hello)“ nochmals die Schönheit des Stokesschen Folk-Pop, der wieder beschwingte Paul-Simon-Harmonien aufgreift. Ob im Madison Square Garden oder im Wohnzimmer, für Chadwick Stokes halten wir gerne die Ohren auf.

Anspieltipps:

  • Pine Needle Tea
  • Prison Blue Eyes
  • Horse Comanche
  • Walter (First Hello)

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