Public Service Broadcasting - The Race For Space - Cover
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Public Service Broadcasting The Race For Space


  • Label: Test Card Recordings
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein musikalischer Ausflug in den kalten Krieg. (feat. JFK).

Eine Idee muss man haben: In Zeiten, in denen die Musikbranche mit ständigen Wiederholungen und mangelnder Kreativität zu kämpfen hat, müssen sich junge Formationen etwas ausdenken, um Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln und sich über diese definieren zu können. Das Duo Public Service Broadcasting aus England hatte da eine ganz pfiffige Idee: Zu den ruhigen, elektronisch angehauchten Klängen ihrer Alben streuen die Briten Sprachsamples historischer Reden und TV-Übertragungen ein. Folge: Auf ihrem Zweitling gibt es als Gaststar unter anderem US-Präsident John F. Kennedy auf die Ohren. Alleinstellungsmerkmal: Check.

„The Race for Space“ ist ein Konzeptalbum durch und durch. Wie der Titel wenig subtil durchblicken lässt, behandelt die zweite Platte des Duos den Wettstreit zwischen den USA und der Sowjetunion Ende der 60er-Jahre. Wer landet zuerst auf dem Mond und setzt so ein prominentes Zeichen im Kalten Krieg? Untermalt werden die einzelnen Ereignisse der Zeit mit entsprechend gewählten musikalischen Stilmitteln.

Und so kommt es dann, dass niemand Geringeres als JFK mit seiner legendären „We choose to go to the moon“-Rede das Album eröffnet. Das ist historisch maximal interessant und relevant, musikalisch aber zunächst langweilig wie ein Bundesligaspiel der Münchner Bayern. Zu sehr übertreiben es die beiden Briten mit der Zurückhaltung ihrer musikalischen Untermalung. Nach zweieinhalb Minuten hat man das Gefühl, sich historisch ein wenig gebildet zu haben, aber: Ist das nicht ein Musikalbum?

Das dramatisch gewählte Intro macht erst auf den zweiten Blick Sinn. Betrachtet man das Album in Gänze, erfüllt es durchaus den Zweck, Atmosphäre zu schaffen und auf die kommenden 40 Minuten einzustimmen. Immer wieder gelingt es Public Service Broadcasting, historische Ereignisse des Race For Space musikalisch so zu begleiten, dass eine ganz spezielle und intensive Stimmung entsteht. „Fire In The Cockpit“ thematisiert die Katastrophe während eines Testlaufs der NASA, bei der 1967 drei Menschen ihr Leben ließen. Ruhige Ambient-Klänge schaffen eine bedrohliche und nachdenkliche Stimmung, die dem Anlass mehr als gerecht wird. „Go“ hingegen wirkt im Kontext des Albums wie eine regelrechte Euphoriebombe, schließlich handelt es sich um den Soundtrack zur ersten erfolgreichen Mondlandung.

Das Konzept der Band geht zumindest stellenweise auf, das Album erzeugt bisweilen eine sehr spezielle und intensive Atmosphäre. Angenehm auch, dass sich die Briten nicht auf elektronische Klänge beschränken, sondern durchaus auch herkömmlichen Instrumenten ihren Raum im Gesamtkontext lassen. Nach einigen Durchläufen ist die Magie des ersten jedoch verflogen, wirklich viel Neues entdeckt man auf Dauer nicht mehr. Dafür kommt die musikalische Umsetzung dann doch etwas zu oberflächlich und simpel daher. Dennoch: Wer einen Soundtrack zur Geschichte sucht, wird hier zumindest temporär fündig. Wem der ganze Weltall-Hokuspokus am Allerwertesten vorbeigeht, der hört lieber Boards of Canada.

Anspieltipps:

  • Go
  • The Other Side
  • Valentina

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