Open Season - Boombay - Cover
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Open Season Boombay


  • Label: Fleet Union/INDIGO
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Open Season und die Geschichte von Spreu und Weizen bleiben unzertrennlich.

Gleich zu Beginn fällt es auf. Da schleicht es sich ein. Dieses fehlende Momentum. Immer wenn die Line flüssig aus den Boxen klingen soll, scheint sie auf der Zielgeraden hängenzubleiben. Keine Minute vergeht, bevor Open Season den Vibe früher Seeed-Alben angehen. Ob das nun gewollt ist, sei dahingestellt. Von den Einspielern zwischen einigen der Lieder zu den hier und da orientalisch angehauchten Beats. Nur klingt alles ein wenig berechneter, alles ein Stück weit gezwungener. Die Lyrics in „Open Up The Doors“ wirken umständlich und nicht immer auf gute Rhymes ausgelegt und das exotische Flair im Titeltrack wirkt wie verwässerte Routine.

Trotzdem gelingt Open Season ein unterhaltsames Album. Zwar trübt ein romantisches Zwischentief den Unterhaltungswert und die besagten Schwächen der Band sind kein Einzelfall, doch irgendwie transportieren die Schweizer dann noch genug Freude über ihre Klänge. Denn zwar sind Tracks wie „Boombay“ und „Kiss Me“ im Grunde schwächere „Ding“-Klone, doch bei der Grundqualität des Seeed-Sounds ist das Wort „schwächer“ relativ zu verstehen. Der Klassenunterschied zur deutschen Referenz ist gerade auf Textebene bemerkbar, was auch die Hauptkritik darstellt. In Sachen Produktion glänzt die komplette Scheibe nämlich mit einem vollen Sound, der bei aufgedrehten Boxen ordentlich Laune macht. Allein die etwas billig wirkenden Oriental-Samples verzerren diesen erstklassigen Eindruck.

Und natürlich der Text. Zu oft stolpern die Texte über ihre Struktur und teilweise ist die Einfallslosigkeit der Lyrics erschreckend. Wenn die Band dann noch auf Balladen setzt, kommt in „Hold On“, „Only You“ und „Cold Wind Blows“ gar keine Stimmung mehr auf. So viele Rausschmeißer benötigt ein Album wirklich nicht. Sind Open Season sich dagegen nicht zu schade für ein wenig Schabernack, kommen so herrlich eingängige Nummern wie der Titeltrack und „Ride My Bike“ heraus. Zwar klingt auch das immer noch nach Seeed-Light, jedoch im eindeutig besseren Sinne. Die Linie zwischen Hommage und Abklatsch ist auf „Boombay“ sehr leicht auszumachen.

Es hilft nicht, dass die Band ganz eigene Ideen vortragen will, wenn sie so eindeutig Vorbildern zuzuordnen ist. An den starken Vertretern der gleichen Sorte gemessen, ist die neue Scheibe der Eidgenossen lediglich kurzweilige Unterhaltung. Die schwache Mitte und das nur mittelmäßige Writing sorgen dann endgültig dafür, dass dieses Album nicht zu Höherem berufen sein kann. Die Energie für mehr ist unweigerlich vorhanden und muss jetzt auch endlich mit starken und gut vorgetragenen Texten vereint werden. Bis dahin steht auch weiterhin das tödliche Wort bemüht im Resümee der Band.

Anspieltipps:

  • Ride My Bike
  • Boombay
  • I Am
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