Pollyester - City Of O. - Cover
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Pollyester City Of O.


  • Label: Disko B/INDIGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Warum Eighties-Disse nicht zwingend ein Schimpfwort sein muss.

Das Musikjahr 2015 ist noch jung, dennoch soll die Prognose erlaubt sein: Von „City of O” wird im Jahresrückblick in knapp elf Monaten zu reden sein. Nicht, weil die Münchner Band Pollyester das Elektro-Pop-Genre in irgendeiner Art und Weise neu erfinden würde oder ihr Album durchweg von besonders hoher Qualität wäre. Es sind die wunderbaren Disko-Momente, die hier und da das Herz erfreuen und den Hörer angenehm aufdringlich nötigen, die Hüften wackeln zu lassen. Dabei klingt der Vierer oft nach Eighties und dabei nur äußerst selten flippig oder gar peinlich, wie man es eigentlich befürchten möchte. Eighties-Disse ist halt doch nicht zwingend ein Schimpfwort.

„City Of O“ startet dabei äußerst unspektakulär. „Cut Diamond“ eröffnet die Platte vergleichsweise wenig eingängig und der Sprechgesang von Frontfrau Polina Lapkovskaja geht einem zügig auf den Senkel. „2328628“ wagt schon einen beherzteren Schritt Richtung Tanzfläche und ab „In My Boots“ ist es um den Hörer dann vermutlich geschehen. Es wird geboten: Wunderbar kitschige Elektromucke aus dem bunten Jahrzehnt, versetzt mit unverschämt eingängigen Melodien, die keinen Hörer, der auch ein wenig mit dem Genre anzufangen weiß, kalt lassen sollte. Die vorübergehende Krone setzt die Band ihrer Platte mit „My Father’s Eye“ auf, einer wabernden Elektro-Hymne und der wohl stärkste Song auf „City Of O“.

Mit dem folgenden ersten Teil des Titeltracks schiebt die Band ein gut zweiminütiges Intermezzo ein, das etwas fehl am Platz wirkt und der Platte vorübergehend den Wind aus den Segeln nimmt. Das ärgert jedoch nur kurzfristig, denn in der zweiten Hälfte verstecken sich die heimlichen Stars des Albums. Das verleitet den Rezensenten auch gerne mal zu kreativen Vergleichen; „Catrina“ klingt definitiv nach New Order, einem der hellsten Lichtblicke, den das Elektro-Genre in den Achtzigern zu bieten hatte.

Dass „City Of O“ seine Qualitäten nicht auf Albumlänge zeigen kann, drückt die Wertung, stört aber im Endeffekt den Hörgenuss nicht. In sorgsamen Dosen erwartet den Hörer eine wunderbare Hommage an vergangene Zeiten, verpackt in moderne Popsongs und eine gesunde Portion Kitsch. Pollyester sind schon jetzt eine der positiven Überraschungen des Jahres.

Anspieltipps:

  • In My Boots
  • My Father’s Eye
  • Catrina

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