Hurricane Dean - N53° E7° - Cover
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Hurricane Dean N53° E7°


  • Label: Believe Digital/SOULFOOD
  • Laufzeit: 37 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Zumindest für die Produktionsszene ist diese Scheibe eine wahre Ohrenweide geworden.

Bringen wir den blöden Wortwitz gleich hinter uns. Nein, Hurricane Dean nehmen niemanden im Sturm ein. Nein, sie sind auch kein laues Lüftchen. Gewisse Wettervorhersagen können auf Wunsch jedoch natürlich eingerichtet werden. Dass eine deutsche Band internationales Interesse wecken kann, liegt in der Regel daran, dass eine Band eben nicht deutsch klingt. „N 53° E 7°“ profitiert in diesem Sinne von einem starken Westwind, der seit Jahrzehnten populärmusikalische Ideen und Vorbilder aus Großbritannien zu uns herüber bläst.

Abseits von möglichen Umschreibungen zur Musik der Band, lässt sich über selbige gar nicht so leicht schreiben. Was von Sekunde eins nicht anzuzweifeln ist, ist die herausragende Produktion des Albums. Wirklich jeder Ton wirkt überlegt eingestreut und sorgt für Tiefe und Druck, wenn diese gefragt sind. Leider funktionieren diese Tricks in erster Linie auf technischer Ebene. Ein „Rosehip“ kann noch so fein durchproduziert sein, wenn spätestens der Chorus in biederer Pop-Manier nach Fokusgruppe und nicht nach echter Musik klingt. Bei Keane geliehene Synthesizer und Ideen von Bloc Party helfen nicht, wenn sich das Ergebnis nach nicht mehr als einer Kopie anhört. Dazu wirkt Ian Bleekers Gesang über diesen Ansätzen stets, als hätten die Beatsteaks sich mit einem Mal für Pop-Rock entschieden.

Mit laufender Spielzeit gehen Hurricane Dean noch einen Schritt weiter in den Westen und erinnern stark an OneRepublic. Diese Vergleiche sind nicht immer offensichtlich, weil der Gesang auf das erste Hören für Rockmusik geschaffen scheint. Dahinter ist jedoch die breitgefächerte Pop-Attitüde der Band, die groß und raumfüllend erscheinen möchte. Und auch wenn die Gehörgänge gut durchgepustet werden, ist es meistens die geballte Masse an Klängen, die den Hörer wegfegt. Die Melodien selber können nicht langfristig im Kopf verweilen und vergehen wie Schall und Rauch. Als energetischer Opener für die Hauptband lässt sich ein solches Programm gut vorstellen, doch kaum jemand wird sich hinterher noch an einzelne Lieder erinnern können.

Anzeichen dafür, dass die Band auch anders kann, lassen sich auf „N 53° E 7°“ nicht finden. Selbst wenn sie wie in „Prodigal Son“ intim wirken wollen, klingt alles so glatt, dass Hörer lediglich pflichtbewusst ihr Feuerzeug erheben. Besser ist es, wenn die Band ehrlich ihr Gesicht als Stadion-Hymnen-Schreiber zeigt. Und wenn dann noch die Melodie wie in „Doors Collide“ klingt, ist auch für ein paar Minuten alles gut. Zu oft dreht man sich als Hörer aber auch nur einen Moment lang weg und schon wirken die eben noch gehörten Klänge wie weggeblasen. Und schlimmer noch kommt bei späteren Liedern oft der Eindruck auf: „Habe ich das nicht eben schon gehört?“ Was paradox klingt, beschreibt die Gleich-in-Gleich-Problematik dieser Scheibe. Ob Energie und gute Produktion allein reichen, darf zumindest stark bezweifelt werden.

Anspieltipps:

  • Snow Follows
  • Doors Collide
  • Porcelain Love

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