Eivør - Bridges - Cover
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Eivør Bridges


  • Label: Tutl Records/CARGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Stilsicher wandelt die Sängerin von den Färöer Inseln durch ein weiteres Album. Überraschen tut das nicht wirklich.

In Eivørs Musik darf nicht zu viel hineingelesen werden. Wenn sie wieder und wieder „Remember Me“ singt, dann hat das wirklich nur innerhalb des Songs Bedeutung. Bridges ist nicht der Versuch bei der großen Masse in Erinnerung zu bleiben. Zu sehr scheint die Sängerin ihre musikalischen Traumwanderungen zu genießen. Mit tiefen und beruhigenden Klängen umgarnt sie einer Sirene gleich die Hörer und senkt automatisch den Puls herab. Das hat großteils bereits meditative Züge, wenn die Musik der Nordeuropäerin erklingt.

Dass Eivør genau weiß, wie ihre Musik immer noch einen Tick nachdenklicher und melancholischer klingen kann, muss ihr einfach gelassen werden. Ob das eine auf Dauer ansprechende Qualität ist, sei dabei eine ganz andere Frage. Nicht wenige Hörer werden sich spätestens beim Titeltrack nach Sonnenstrahlen sehnen, während andere die Hingabe zu den mystischen Klängen bewundern werden. Wer allerdings gleich typisch isländische Verrücktheit erwartet, der macht sich ein falsches Bild. Minimalismus zeichnet „Bridges“ vorrangig aus. Oft von einer Akustikgitarre getragen plätschern die Lieder einem grauen Sommerregen gleich daher. Melancholisch, aber trotzdem nie kalt kommen die Töne beim Hörer an.

Gerade auch deswegen sind die überschwänglich elektronischen Stücke wie „On My Way To Somewhere“ nicht die Stärke der Frau. Während die Stimme für Nähe und Geborgenheit geschaffen ist, stößt der kalte Klang aus dem Synthesizer ab. Am schönsten, wenn auch nicht am besten, tönt es deswegen auch, wenn „Morning Song“ zu Beginn komplett reduziert. Sobald Streicher und Synthesizer einsetzen, geht der Zauber des Liedes zu weiten Teilen verloren. Was bleibt, ist nicht mehr als gehobener Durchschnitt.

Oftmals findet sich letztlich aber doch ein guter Mittelweg wie im anschließenden „Purple Flowers“. Sobald Eivør zu groß klingen möchte, geht die Authentizität aber auch ganz schnell verloren. Traurig und bewegend schlängelt sich das Album so erfolgreich bis zum Ende und weiß seine Stärken oft klug für sich einzusetzen. Gleichzeitig muss Eivørs Musik aber auch beim Hörer sitzen. Wen schon „Remember Me“ oder eben „Purple Flowers“ nicht ergreifen, der wird keine Freude an diesem Album finden und eine unerträgliche Langwierigkeit ausmachen. Wenn die Sängerin sich jetzt noch gewollt experimentelle Stücke wie „The Swing“ abgewöhnt, können jedoch zumindest Freunde der ruhigen Klänge auf durchgehend berührende Werke hoffen.

Anspieltipps:

  • Purple Flowers
  • Remember Me
  • Stories

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