Waltari - You Are Waltari - Cover
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Waltari You Are Waltari


  • Label: Rodeostar/SPV
  • Laufzeit: 55 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Kompiliere alles, nenne es Kreativität oder gleich Crossover.

Waltari, was ist das eigentlich? Nun, seit jeher haben wir es mit einer Band zu tun, die sich nicht auf ein Genre beschränken konnte. Metal selbst scheint der kleinste gemeinsame Nenner zu sein, ein spezifischeres Subgenre ist dann der erste Stolperstein. Das machte schon früh die im Jahre 1986 gegründete und somit außerordentlich langlebige Band zu einem Platzhirsch, der nie aufhören wollte, ein solcher zu sein. Fans verehren die Finnen dafür, dass sie ebenso sind, wie sie sind, während Kritiker der Band immer wieder den fehlenden roten Faden ankreiden - ganz besonders albumübergreifend. Es darf nicht vergessen werden, dass Waltari aber essentielle Wegbereiter des Crossovers waren, lange bevor der Begriff im Mainstream fiel. Oder dass sich bei all der Verrücktheit immer wieder talentierte und namhafte, prominent gewordene Musiker im stets schwankenden Line-up der Finnen finden konnten. Kärtsy Hatakka, unter anderem preisgekrönter Komponist von Videogame-Soundtracks (Max Payne, Max Payne 2), und Sänger Jari Lehtinen bleiben die einzigen Konstanten in der mittlerweile siebenköpfigen Kultband. Und auf dem vierzehnten Studioalbum bleiben sich die zwei Herren und ihre Kollegen wie eh und je treu.

Da gibt es nämlich die typische Entwicklung, die eigentlich gar keine ist, da es unkonventionell wie immer zugeht. Kein Album Waltaris hört sich wie das andere an und auch „You Are Waltari“ steht für sich alleine. Typische Trademarks, also das strenge Umwerfen von Konventionen und - Fans der Band dürfen jetzt wütend werden - Andersartigkeit als Selbstzweck ist natürlich vorhanden und lassen Waltari nichtsdestotrotz nach Waltari klingen. Auch wenn es die Band seit Ewigkeiten gibt, hat sie - Fans dürfen gleich nochmal wütend werden - keine Narrenfreiheit, wenn sie den Holzhammer der kreativen Notwendigkeit auf die Schädel ihrer Hörer haut. Im Gegensatz zu Gruppen wie Sigh oder Mechanical Poet bemerkt man zwar keine „Exklusivität“ und diesen wahnsinnigen Esprit, doch es wäre auch gelogen, „You Are Waltari“ Spaß und Charme abzusprechen.

Ob „12“ (Snotcore und Pop-Punk), „Only The Truth“ (perkussiver Alternative Metal mit extremem Keyboard-Bombast) oder „Right Wing Theme“ (Elekäläiset meets Grenzdebilität) Sinn ergeben und mit dem Begriff Crossover gerechtfertigt werden können? Wer weiß das schon? Death Metal auf der Grenze zum Grind („Strangled“) gibt es genauso wie oldschoolig anmutenden Metal („Not Much To Touch You“), Akustik-Geklampfe („Televizor“) oder Industrial-Gestampfe („Drag“). Waltari muss man es einfach lassen, dass sie so ziemlich alles beherrschen und überzeugend rüberbringen, aber einen wirklichen roten Faden gibt es tatsächlich nicht. Sie kompilieren wie ein 13-jähriger Bengel, der gerade dabei ist, ein Mixtape zusammenzustellen - mit viel Vergnügen, aber ohne Sinn und Verstand. Da gibt es viel gelungenes Material, echte Highlights, aber leider auch Dinge, die man mal machen wollte und deshalb auch macht.

Der Titel „You Are Waltari“ ergibt dann natürlich Sinn und ist sogar ein quintessentieller Titel für alles, was diese Band je gemacht hat. Jeder von uns ist Waltari, jeder kann sich irgendwo wiederfinden. Gleichzeitig ist keiner von uns Waltari, da die Finnen erneut so heterogen aufspielen, dass man wirklich „Alles“ als Musikgeschmack angeben muss, um wirklich Freude an solchen Kompilationsversuchen zu haben. Wenn man unbedingt abgefahrenen Shit hören will, muss es nicht unbedingt Waltari sein, wobei ihre musikalischen Anfänge definitiv einen Hinhörer wert sind. „You Are Waltari“ macht alles nicht unbedingt besser oder schlechter, musikalisch und lyrisch wartet sogar immer wieder ein echter Höhepunkt, doch wenn man nicht unbedingt glühender Anhänger der finnischen Exzentriker ist, findet man gute Alternativen. Passenderweise in allem und überall, gebündelt und abgefahren jedoch ebenfalls interessanter.

Anspieltipps:

  • 12
  • Strangled
  • Not Much To Touch You

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