The Jury And The Saints - The Jury And The Saints - Cover
Große Ansicht

The Jury And The Saints The Jury And The Saints


  • Label: SPV Recordings
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Vier Neuseeländer geben dem Pop-Punk eine längst vergessene Frische und Unbeschwertheit zurück.

Aus dem wahrhaft traumhaften Land Aotearoa („Land der langen weißen Wolke“ oder schlicht Neuseeland, wenn du kein Māori bist) kommen The Jury And The Saints, vier Aucklander Jungens, welche die mittlerweile doch arg zerschlissene Fahne des Pop-Punks hervorkramen und genug frischen Wind heraufbeschwören, um sie in ihm tanzen zu lassen. In ihrer Heimat ernteten sie bereits einen ersten Achtungserfolg. Ihre EP „Revival“ ging in den Singlecharts direkt von 0 auf 1, in den Top 40 Charts auf Platz 4. Potential, etwas Vergleichbares außerhalb von Mittelerde zu wiederholen, ist jedenfalls vorhanden, denn The Jury And The Saints ziehen ihr Ding nicht nur außerordentlich attraktiv, sondern auch ohne Zweifel überzeugend durch.

Dabei haben die vier Burschen einen Blumenstrauß an herrlichsten Pop-Punkrockern, Hymnen mit Ohrwurmgarantie oder eben Stadion Rock, wenn man den Neuseeländern glauben will. So ganz Unrecht haben The Jury And The Saints nicht, denn ihr selbstbetiteltes Debüt ist nicht nur eine extrem kurzweilige, direkt zündende Angelegenheit, sondern eine Runde noch dazu. Ihre eingängigen Nummern erinnern an die stärksten Phasen deiner Kindheitshelden Blink 182 oder Sum 41, sie haben den nostalgischen Charme von Zebrahead, die Cleverness von Biffy Clyro aber auch das Grenzensprengende, Weite, Erhabene von Fair To Midland oder The Intersphere. Die Musiker verbinden, was sich verbinden lässt, und bringen liebgewonnene Trademarks so sehr unter einen Hut, dass ein eigener Sound entsteht, welcher nicht nur alte Hasen begeistert, sondern modern genug ist, um auch ganz neue Fans abzuholen.

Glücklicherweise sind die zwölf Nummern auf dem Album weit mehr als ein wohl platzierter Anachronismus, den man von alten Helden erwarten darf, sondern ein frischer Ansatz, Musik dieser Art im Jahre 2015 zu spielen. Die Zeit, ein wenig angepisst zu sein und dennoch ordentlich Spaß an den Backen zu haben, wird wohl nie vorüber sein. Die Neuseeländer beweisen das eindrucksvoll. Songs wie „Make Our Mark“, „Focus“ oder „Last Mistake“ sind gut gelaunte Hymnen, Snotcore mit Substanz, ein wenig bierselig, ein wenig „lass uns skaten gehen“, ein wenig „I don't give a fuck“. Moderne Elemente in Form von schmissig-verträumten Indie-Singalong-Chören finden sich schließlich über das ganze Album verteilt, besonders tragend jedoch in „Fever“, „Freedom Fighter“ und „Knocking On The Devil's Door“. Die Kombination funktioniert und kriegt durch die Dynamik und Einfachheit, lediglich auf die Pauke zu hauen, neue Kontraste und Dimensionen, die losgelöst vom eigentlichen Indie-Pop auf eine neue, spannende Art und Weise überzeugen. Auch ein melancholischer Straight-forward-Rocker der Marke „Monday Morning“, „Last Time“ oder „Brand New“ mit seinem sphärischen Keyboardspiel fügen sich nochmal organischer ins Gesamtbild ein. Eine reinrassige Ballade haben The Jury And The Saints übrigens nicht am Start. Hier widersetzen sie sich zwar den Genre-Regeln, doch es wäre definitiv interessant gewesen, den Ansatz der Neuseeländer zu hören.

Macht aber nichts, denn mit ihrem Debüt treffen The Jury And The Saints den richtigen Nerv und präsentieren trotz der stets vorhandenen Straightness dennoch liebevoll geschriebene, spannende und mitreißende Kompositionen für Liebhaber, dank des (fast) omnipräsenten Airplay-Potentials jedoch auch für ein sehr breites Publikum. „We don’t care about making a technical album, we care about making music that translates both in the studio and live, music that hopefully moves people, music that makes you have to sing, music that connects because it’s coming from energy and honesty“, lassen die Musiker selbst über ihren Ansatz verlauten und eigentlich ist damit auch schon alles gesagt. Dieser erste Wurf der Neuseeländer ist ohne Frage ein Wurf in die richtige Richtung und macht schon jetzt Lust auf mehr!

Anspieltipps:

  • Fever
  • Focus
  • Freedom Fighter
  • Last Time
  • Brand New

Neue Kritiken im Genre „Punkrock“
Diskutiere über „The Jury And The Saints“
comments powered by Disqus