Morbid Evils - In Hate With The Burning World - Cover
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Morbid Evils In Hate With The Burning World


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Monoton, hoffnungslos und bitterböse.

Eigentlich sind Finnen ja ein eher lustiges Völkchen. Zünftige Metal-Abende, schwarz gebrannter Schnappes, Rentiere, der Weihnachtsmann, eine niedliche und lustige Sprache - ja, in Finnland könnte man sich nicht nur als Metaler so richtig wohlfühlen. Und dann sind da immer wieder Leute, die das mies machen wollen. Morbid Evils, bestehend aus Jan Trygg (Gitarre), Timo Niskala (Schlagzeug), Tero Nordlund (Bass) sowie Keijo Niinima (Gitarre und Gesang), machen gar nicht erst ein Geheimnis daraus, dass sie ein trostloses Weltbild verinnerlicht haben und ihre Hörer in „feurige Kanäle ohne Hoffnung auf die Zukunft“ ziehen wollen. Finnischer Humor? Beim Hören ihres Debüts „In Hate With The Burning World“ wird man schnell zweifeln, dass hier irgendetwas hintergründig lustig oder augenzwinkernd gemeint ist. Diese Herren meinen es ernst. Todernst.

Auch gestandene Doomster werden schnell bemerken, dass „In Hate With The Burning World“ selbst in seinem Genre eine Sonderstellung einnehmen könnte. Während der Spielzeit von 45 Minuten kommt nicht mal in Ansätzen ein Sonnenstrahl durch, das komplette Werk schwirrt in einem dunklen Kosmos der völligen Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit. Die außerordentlich dicht heraufbeschworene, intensive Atmosphäre ist die größte Stärke der vier Finnen, die dem eigentlich recht generischen „In Hate With The Burning World“ immer wieder das gewisse Etwas verleiht. Zähflüssig, tonnenschwer, depressiv präsentieren Morbid Evils ihre sechs Kompositionen und gehen dabei immer wieder gerne Flirts mit Sludge und sogar Drone Doom ein - grundsätzlich folgen sie jedoch einer klaren Linie und sind sperrig, jedoch nicht unbedingt komplex. Auch wenn zwei Drittel der Stücke des Albums gar nicht erst unter die Sieben-Minuten-Marke fallen, sind die Tracks doch nachvollziehbar, vor allem, wenn man im Doom Metal bewandert ist. Die ersten drei Nummern „Cruel“, „Crippled“ und „In Hate“ geben die Richtung vor. Das ist kein erhabener, groß angelegter Doom, sondern musikalischer Hass, der dahin zielt, wo es richtig weh tut. Keiko Niinimaas, besser bekannt als G von Rotten Sound, bellende Growls passen da wie die Faust aufs Auge und erweitern gut das rumpelnde, langsam niederwalzende Klangbild.

Erst „South Of Hell“ bringt ein wenig Dynamik, was leider eher gewollt klingt, so als hätten Morbid Evils am Ende doch einen Kompromiss gesucht. Das am Schluss stehende Longtrack-Monstrum in Form von „Burning World“ treibt es dann aber nochmal richtig auf die Spitze und lässt den Hörer erschöpft zurück. Ja, „In Hate With The Burning World“ ist wirklich harter Tobak. Das Album tut richtig weh und ist unter Garantie nichts für Otto Normal. Zwar verbirgt sich unter der Oberfläche eher ein konventioneller Beitrag aus der Doom-Ecke, doch sind es die vielen kleinen Elemente, die dieses Werk dann doch besonders machen und vor der Mittelmäßigkeit retten. Wer mittlerweile vergessen hat, wie musikalischer Schmerz klingt, wie sich Verdammnis anhört und wer genau so eine hoffnungslose Weltanschauung wie die Finnen hat, sollte sich „In Hate With The Burning World“ geben - oder sollte man besser „antun“ sagen? Die Spreu wird hier ohne Frage vom Weizen getrennt.

Anspieltipps:

  • Cruel
  • Crippled
  • Burning World

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