Traitor - Thrash Command - Cover
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Traitor Thrash Command


  • Label: Violent Creek Records
  • Laufzeit: 84 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine neue Thrash-Hoffnung für die deutsche Szene? Definitiv!

„Brüder im Blut, knallharte Rambos, es naht die Attacke des Balinger Thrash Kommandos!“ Es gibt Momente, in denen Metal einfach entwaffnend naiv sein und konsequent ent-intellektualisiert werden muss. Das gilt besonders für das Subgenre des Thrash Metals, der bis auf Ausnahmen - vorwiegend solche aus dem florierenden Underground - beinahe schon sozialkritisch oder sogar politisch sein muss. Nun sind Traitor, das Thrash Kommando aus Balingen, nicht unbedingt Dummköpfe, keinesfalls, das hat niemand gesagt. Aber sie haben nun mal Bock auf Thrash, diesen Thrash, der mit engen Hosen, Jeanswesten und langen Matten, aus denen nur die Nase hervorgucken darf, assoziiert wird. Nicht mehr und nicht weniger. Doch auch so ziemlich alles, was Thrash Metal ausmacht, kommt bei ihnen zusammen. Man merkt ihnen an, dass sie das Genre lieben und leben.

Auch wenn sich die Knaben Traitor nennen, wird der Hörer ganz sicher nicht an der Nase herumgeführt. Ihr Debüt „Thrash Command“ spricht eine klare Sprache, selbst das Band-Logo und das Cover-Artwork sind auf herrliche Art und Weise plakativ 80s. Da die Scheibe bereits 2012 erschien, ist sie zwar ein einigermaßen alter Hut, wird jedoch aufgrund des damaligen Eigenvertriebs an so manchen Thrashern vorbei gegangen sein. Violent Creek Records ist (natürlich!) wieder am Start und gibt „Thrash Command“ nach einem Re-Release via Stormspell Records (2013) eine abermalige und verdiente Chance. Das spricht durchaus für das Label, welches ein gutes Händchen für Underground-Perlen bewiesen hat - zuletzt mit dem tollen „Forward Into Doom“ von Hateful Agony, das ebenfalls zu späten Ehren gekommen ist und genau wie „Thrash Command“ unbedingt angespielt werden sollte, wenn man auf guten Thrash Metal steht.

Und tatsächlich ist „Thrash Command“ ein Hit, bei dem mit „wenn du Teutonic Thrash magst, dann hör dir die verdammten Traitor an“ eigentlich alles Wichtige gesagt wäre. Das bringt natürlich mit sich, dass sich die Jungs den einen oder anderen Vergleich mit Wegbereitern aus dem Pott (und natürlich auch darüber hinaus) gefallen lassen müssen, aber so ist das halt und streng genommen handelt es sich hierbei auch eher um ein Kompliment. Die vier Musiker sind tief im 80er-Thrash made in Germany verwurzelt, frühe Sodom oder Kreator sind ihre Inspirationen der Angepisstheit und generell stinkt die gut 40 Minuten lange Spielzeit nach herrlichster Thrash-Romantik, ohne dabei gewollt nostalgisch zu klingen. Mit den ganz Großen halten Traitor jedenfalls mit und das kann man nicht unbedingt von jeder Band behaupten.

Jedenfalls geben Traitor ordentlich Gas und hauen elf Mal auf die Rübe. „Merciless Hate“, „Spiritual Warfare“, das schleppende „Death Division“ oder das hymnenhafte „F.U.A.D.“ („Fuck you and die“) sind waschechte Klopper, beinhart, aber auch nicht monoton oder arg konstruiert. Tempowechsel oder schöne Gitarrensoli machen es nicht langweilig und die Kompositionen auf „Thrash Command“ zu welchen, die man gerne hervor kramt, wenn man sich Musik von diesem Schlage geben will. Alle Songs sind zwischen 2009 und 2011 entstanden, wirken jedoch wie aus einem Guss und kicken wegen der hauptsächlich kurz-knackigen Spielzeit direkt in die Nüsse. Beendet wird alles mit einem Knall: Die deutsche Version des Titeltracks und Openers macht sogar noch mehr Laune als das Original.

Ist der Spuk dann endlich vorbei, haben die Traitors noch eine DVD hinzu gepackt, welche auch Stubenhocker von ihren Live-Qualitäten überzeugen dürfte. Mit „Live Beyond The Command“ bekommt der Hörer direkt nochmal 42 Minuten an Thrash-Sperenzkes auf die Ohren (und Augen) gedonnert. Bild- und Tonqualität sind zwar lediglich durchschnittlich, aber immerhin ist die DVD ein geschenkter Gaul, Traitor keine Weltstars/Millionäre und Rohheit und Energie machen so einiges wieder wett. Mal im Ernst: Größere Bands haben das schon weitaus liebloser gemacht. Und die elf Monster, die Traitor raushauen, haben eh oberste Priorität. Wer Thrash Metal mag, mag auch Traitor - ganz einfache Sache! Diese Jungs ziehen ihr Ding wirklich großartig durch und haben deshalb jeden Erfolg verdient. Fazit: Traitor wissen wie gethrasht wird und sie thrashen gut. Das ist Musik für Leute, die Bock haben!

Anspieltipps:

  • Thrash Command/Thrash Kommando
  • Death Devision
  • Spiritual Warfare
  • F.U.A.D.

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