Pombagira - Flesh Throne Press - Cover
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Pombagira Flesh Throne Press


  • Label: Svart Records
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein vielschichtiges, komplexes, doch unaufdringliches Werk, welches viel fordert und genau so viel gibt.

Doom, Sludge, Post. Diese Genres stellen innerhalb der schon heterogenen und unendlich erscheinenden Metal-Szene mittlerweile Heiligtümer für Menschen dar, die entweder schon alles gehört haben oder einfach stetig ihren Horizont erweitern wollen. Und Pombagira aus London sind seit ihrer Gründung im Jahre 2006 dabei. Hier haben wir es mit einem sich permanent verändernden, immer neue Akzente setzenden und sperrigen Act zu tun, der darauf scheißt, ob die Hörerschaft seine Musik versteht. Pete Giles (Gesang, Gitarre) und Carolyn Hamilton-Giles (Drums) sind wohl das, was man mit Fug und Recht Künstler nennen darf.

„Flesh Throne Press“ als einfaches, zugängliches oder kurzweiliges Album zu beschreiben, wäre eine maßlose Untertreibung. Leicht hat es das britische Duo seinen Hörer noch nie gemacht und sein sechstes Album ist in jener Hinsicht keine Ausnahme. Auf gleich zwei CDs präsentieren Pete und Carolyn erneut ein Werk, welches vollste Aufmerksamkeit abverlangt, dafür aber als typischer Grower entlohnt. Klar, so was geht einfach über die Lippen, aber was auf „Flesh Throne Press“ geboten wird, ist teilweise so frisch, so kreativ, gleichermaßen jedoch tief im Genre verwurzelt, dass am Ende nur Faszination und das typische „whoa, ich habe so viel gehört, aber das flasht mich trotzdem total“ übrig bleibt.

Pombagira entführen in einen Klangkosmos, welcher (immer noch) gleichermaßen unverbraucht wie krude und schwer zu erfassen ist. Ein opulenter doch größtenteils gemäßigter Doom trifft auf dezente Psychedelika und viel Sludge, der das trockene klangliche Gesamtbild maßgeblich bestimmt. Eingängigkeit sucht man mit der Lupe, doch „Flesh Throne Press“ ist auch nicht verkopft und folgt keinem Selbstzweck. Es ist eines dieser Alben, die am Stück gehört werden wollen, auf welche man sich einlassen muss und die Konzentration erfordern. Das Album als Gesamtwerk zu bezeichnen, trifft es genau. Zwar ist „Flesh Throne Press“ kein Konzeptalbum, doch die 13 Kompositionen greifen ineinander und folgen allesamt dem Stil Pombagiras. So entsteht ein Sog, der den Hörer in sich saugt.

„Flesh Throne Press“ kombiniert den okkulten Rock von Bands wie Sabbath Assembly mit einer sperrigen, sich jedoch nach und nach zum Klimax hinarbeitenden Exzentrik eines Opium Warlords/Sami Albert Hynninen. Kompositionen wie „The Way“, „Sorcerous Cry“ und „Blessed Are The Dead“ sind komplexe LSD-Trips, ziemlich fuzzy und dank der beispiellosen Arbeit an Drums und den surrenden Gitarren-Klangteppichen stellvertretend dafür, wie spannend und innovativ Pombagira ihre Musik umsetzen. Die Interludien „Soul Seeker“ und „Time Stone“ wirken zwar ein wenig aus dem Konzept gerissen, ergeben aber Sinn vor dem Hintergrund, dass Pombagira ihr „Flesh Trone Press“ als großes, aufeinander aufbauendes Erlebnis aufgezogen haben. Das ist die Ruhe vor dem Sturm, wenn der eigentliche Titeltrack die erste CD in sich gekehrt und ruhig ausklingen lässt, gleichzeitig aber einen Strudel aus Petes beinahe schon predigendem Gesang und doomigen Schlamm-Kaskaden erzeugt.

Die psychedelischen Momente hingegen sind allgegenwärtig, aber anders, als sie so mancher Hörer vielleicht erwartet. In „Endless“ zum Beispiel basieren sie nicht auf Hammond- oder Moog-Sounds, Synthesizer bleiben im Giftschrank der Konventionen. Dafür greifen die zwei Musiker auf einen abgründigen Sound mit so vielen Wiederholungen zurück, dass ein Trancezustand erreicht wird - wie erwähnt ohne elektronische Spielereien und lediglich mit dumpfen Gitarren und fettem, warmen Schlagzeugsound. Teilweise beschwören Pombagira eine unheimliche, beängstigende Stimmung, für die so mancher Black Metaler töten würde. Die Höhepunkte finden sich auf der zweiten CD in Form des melancholischen, weiten, doch rohen „In The Silence“ sowie im Quasi-Schlusslicht „Cold Descent“. Mit kurzen Nummern wie „Ash To Flesh“ oder „I Curse I Pray“ bauen Pombagira Atmosphäre auf und lassen angestaute Energien am Ende frei.

Somit entsteht ein Album, das sicher nicht zu jeder Gelegenheit gespielt werden kann und auf das man sich einlassen muss, welches aber zur richtigen Zeit seine geballte Faszination entlädt. Die teilweise exklusive Präsentation von Pombagiras Musik lässt keine Kompromisse zu und verlangt, dass sich die Hörer voll und ganz auf das Werk „Flesh Throne Press“ einlassen. Wirklich einfach ist das zu keiner Zeit, aber wer tapfer am Ball bleibt, wird mit Aha-Erlebnissen belohnt, welche in einer solch ehrlichen und organischen Form heutzutage immer seltener werden. „Flesh Throne Press“ fordert viel, belohnt reichhaltig und ist zu keiner Zeit ein Album, welches Musik von der Stange bietet. Menschen, welche ihre Grenzen ausloten wollen, sind hier an der richtigen Adresse und entdecken eines der leisen Highlights des Jahres 2015.

Anspieltipps:

  • The Way
  • Sorcerous Cry
  • Flesh Throne Press
  • Cold Descent

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