Amelia Curran - They Promised You Mercy - Cover
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Amelia Curran They Promised You Mercy


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Unerschöpflich kreatives Kanada. Amelia Curran ist eine weitere CanAmericana-Größe, die es verdient hätte, sich aufgrund ihrer wohltuenden, kultivierten Songs bei uns zu etablieren.

Die kanadische Künstlerin Amelia Curran ist nicht nur als Musikerin, sondern auch als Schauspielerin tätig. Das schult zusätzlich den stimmlichen Ausdruck und so wundert es nicht, dass ihr Gesang ungekünstelt, ausgewogen, selbstbewusst und deutlich ist. Ihr Folk-Rock wird mit klaren, weichen Linien gezeichnet. Es gibt keine wilden, übermütigen Ausbrüche. Eine kontrollierte, feine, geschmackvolle Haltung bestimmt die Vorgehensweise bei den gesamten Aufnahmen. Dabei geht Amelia aber nicht kühl, sondern feinfühlig zu Werke.

Als musikalische Vorbilder nennt sie das Dreigestirn Tom Waits, Leonard Cohen und Neil Young. Deshalb wird es kein Zufall sein, dass ihr süßlich-romantisches „Time, Time“ Erinnerungsspuren an „Time“ von Tom Waits enthält. Und es ist passend, dass „Song On The Radio“ im Rhythmus von „Out On The Weekend“ von Neil Youngs „Harvest”-Album groovt. Die nüchterne Darbietung des eindringlichen „Coming For You“ kann man andererseits mit Mary Chapin Carpenter vergleichen. „Fables & Troubles“ und „The Reverie“ sind Musterbeispiele für bestens durchdachtes und strukturiertes Songwriting. Hier wurde jede Note optimal platziert, um den gewünschten Gänsehauteffekt zu erzielen. Das ist Premium-Klasse, was die Ausschöpfung von gestalterischen Möglichkeiten angeht, einschließlich der sachte gesetzten Bläser- und Keyboard-Passagen in Southern Soul-Manier. Genauso hochklassig ist das zart gesponnene, zurückgenommene „Strike The Band“. Das Lied wirkt so fragil, dass man befürchtet, die Töne könnten gar nicht den Weg aus den Lautsprecher-Membranen finden.

Die Juno Award-Gewinnerin von 2010 hat großes Potential. Bei „You`ve Changed“ spielt sie weinende Steel-Guitar-Einlagen gegen sich am Ende hoch schraubende, kontrollierte Feedback-Salven aus. Schade nur, dass der Song dann ausgeblendet wird. Es wäre interessant zu erfahren, wie diese Idee weiterverfolgt worden wäre. Allein dieser Kunstgriff zeigt, dass einige unkonventionelle, unverbrauchte Ideen in der Frau schlummern, die unbedingt zu Tage gefördert werden wollen.

Dieses siebte Album der Neufundländerin ist auch wieder für den Juno Award in der Kategorie Roots & Traditional Album nominiert. Es macht aufgrund der sich allmählich offenbarenden kleinen Finessen Lust auf mehr. Der verwendete Zitatenschatz in Verbindung mit frischen Einfällen bildet den besonderen Reiz dieser Songsammlung. Man wird noch viel Gutes von Amelia Curran hören, wenn man sie nur weiterhin unbeeinflusst gewähren lässt.

Anspieltipps:

  • Coming For You
  • Song On The Radio
  • The Reverie
  • Fables And Troubles
  • Strike The Band
  • You've Changed

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